Juridicum Wien: Es brodelt in der Aktionsgemeinschaft

21. März 2013, 05:30
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Ehemaliger Mitstreiter wirft Funktionären Untätigkeit vor - AG will klagen

Weniger als zwei Monate vor der ÖH-Wahl gibt es am Juridicum der Universität Wien grobe Unstimmigkeiten in der Fakultätsvertretung. Marek Sitner, ein ehemaliger Mandatar, hat einen Brief verteilt,  in dem er den Funktionären der Aktionsgemeinschaft (AG) vorwirft, ihre Tätigkeit als Studierendenvertreter als Karrieresprungbrett zu benutzen. Im Gespräch mit derStandard.at sagt er außerdem: "Einige Funktionäre wollen ihre Macht einzementieren, sie sehen die Studentenvertretung als Spaßverein und wollen nur Feste feiern."

Doch zur Vorgeschichte: Jusstudent Sitner kandiderte bei der ÖH-Wahl 2011 für die AG und wurde zum Studienvertreter gewählt, am 1. Juli 2011 übernahm er auch die Funktion des Fakultätsvertreters am Juridicum. Diese legte er aber bereits wenige Monate später, mit 1. November 2011, wieder zurück.

Vorschläge abgenickt

Er sei "Hoffnungsträger" für zukünftige Funktionen in der AG gewesen, sagt Sitner. Ihm widerstrebte allerdings, dass die AG sich nicht für die Studenten eingesetzt und diese "ungenügend" vertreten habe. Vorschläge der Professoren seien abgenickt und Änderungen des Studienplans als Erfolg der AG verkauft worden, obwohl sie nichts mitzureden gehabt habe. Ehemalige AGler hätten sich ständig eingemischt.

Im Forum gesperrt

Sein Mandat als Studienvertreter habe er aber weiterhin ausgeübt, so Sitner. Dabei seien ihm jedoch seit der Zurücklegung seines Mandats als Fakultätsvertreter Steine in den Weg gelegt worden, etwa im Online-Forum: "Als ich mit Studenten versuchte, über aktuelle Probleme am Juridicum zu diskutieren, und auch öffentlich die Aktionsgemeinschaft kritisierte, wurden diese Themen und schlussendlich auch mein Benutzername ohne Vorwarnung gesperrt."

Vor einer Woche legte Sitner nun auch sein Mandat als Studienvertreter zurück. In seinem Brief schreibt er, dass er aufgrund seiner Erfahrungen keine Wahlempfehlung mehr für die AGJus abgeben könne, seine Karriere als Studierendenvertreter sieht der 25-Jährige als beendet an. "Ich werde bald mit meinem Studium fertig. Ich habe mich voll reingetigert, aber jetzt warten neue Herausforderungen."

AG enttäuscht

Die AG reagierte überrascht auf den Brief. "Ich bin sauer und enttäuscht", sagt Claire-Sophie Mörsen von der Fakultätsvertretung. "Sitner war unser Spitzenkandidat und hat nach drei Monaten das Handtuch geworfen. Er hat uns mit der Arbeit alleine gelassen." Die verbliebenen Funktionäre hätten dennoch gute Arbeit als Interessenvertreter geleistet.

Unterlassungsklage angekündigt

Mörsen empört sich darüber, dass Sitners Brief mit einem Logo der Fakultätsvertretung versehen sei, und kündigt eine Unterlassungsklage an. Eine Entscheidung darüber müsse allerdings erst in internen Gremien gefällt werden. Den Vorwurf, die AG-Mandatare würden ihre Funktion als Karrieresprungbrett verwenden, weist sie zurück - die AGJus stehe keiner Partei nahe.

Lachender Dritter in der Geschichte ist der VSStÖ. Durch Sitners Mandatsrücklegung rückt nun eine Mandatarin der roten Studentenfraktion in die Studienvertretung am Juridicum nach. Doch die Legislaturperiode ist schon bald zu Ende. Von 14. bis 16. Mai finden wieder ÖH-Wahlen statt, im Zuge dessen wird auch die Studien- und Fakultätsvertretung am Juridicum neu gewählt. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 21.3.2013)

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Brief von Marek Sitner

  • Die Aktionsgemeinschaft dominiert die Fakultätsvertretung am Juridicum, nun wurde ein Mitstreiter abtrünnig.
    foto: derstandard.at/fercher

    Die Aktionsgemeinschaft dominiert die Fakultätsvertretung am Juridicum, nun wurde ein Mitstreiter abtrünnig.

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