Promotion - entgeltliche Einschaltung

Das Schulsystem mit Engagement bereichern

29. März 2013, 09:08
posten

Teach For All heißt die Dachgesellschaft, die aus dem 1990 gegründeten Teach For America entstanden ist und seit 2011 auch einen heimischen Ableger, Teach For Austria, hat.

Ziel der Initiative ist es, benachteiligten Kindern eine gute Bildung zukommen zu lassen.

Sowohl Studien der OECD als auch der Statistik Austria zeigen ein klares Bild: Dass die Aufstiegschancen in Österreich stark vom Einkommen und Sozialstatus der Eltern abhängen. „Es sind drei Faktoren“, sagt die Wiener Stadtschulrätin Susanne Brandsteidl in einem Interview mit der Tageszeitung der Standard im vergangenen Dezember, von denen es abhängt, ob jemand die Chance auf Bildung nutzen kann: „Sozialstatus, Migrationshintergrund und Bildungsabschluss der Eltern.“ In einem Bildungssystem ohne Ganztagsschule sind Kinder ohne engagierte Eltern am Nachmittag auf sich gestellt und bekommen keine Förderung.

„Die niedrige Erwartungshaltung der Gesellschaft an die Fortschritte von Schülerinnen und Schülern der Hauptschule ist absolut schädlich für die Entwicklung dieser Kinder“, findet Bibiane Blauensteiner. „Der sozial-ökonomische Hintergrund darf keinerlei Auswirkung auf die Ausbildung und Zukunftschancen eines Kindes haben.“ Kontraproduktiv ist in ihren Augen die zwei Klassengesellschaft im Schulsystem.

100 Kinder in 6 Gegenständen

Bibiane Blauensteiner ist eine von 24 Fellows der Organisation Teach For Austria und arbeitet seit September 2012 als Lehrerin an der Kooperativen/Neuen Mittelschule im 22. Bezirk. Bibiane Blauensteiner ist keine ausgebildete Pädagogin, unterrichtet aber mehr als einhundert Kinder in sechs Gegenständen.

Teach For Austria wurde 2011 gegründet und startete 2012 mit der Rekrutierung des ersten Jahrgangs an Fellows. Fellows, das sind Lehrkräfte, die ohne Lehramtsstudium an Pflichtschulen gehen, um dort zu unterrichten – „mit dem Wunsch, etwas zu ändern“, wie Bibiane Blauensteiner anfügt. Entstanden ist Teach For Austria aus der Organisation Teach For America. Wendy Kopp gründete im Zuge ihrer Abschlussarbeit an der Princeton University die Organisation im Jahr 1990. Ihr Konzept war es schon damals, herausragende Absolvent/inn/en für eine bestimmte Zeit als Lehrer/innen in Problemschulen einzusetzen. Inzwischen gibt es in 26 Ländern Organisationen, die sich unter dem Dachverband Teach For All formieren, auch wenn alle einzelnen Organisationen unabhängig arbeiten.

Vorbildwirkung

Die Idee hinter dem Konzept von Wendy Kopp ist, dass die Fellows den Schüler/inne/n mit schwierigem Hintergrund als Vorbild dienen, ihnen Mut machen und das Selbstvertrauen geben, es aus eigener Kraft auch schaffen zu können. Im Gegenzug profitieren die Fellows von der Erfahrung in einer Führungsposition – das kreiden Kritiker an und sehen darum in der Teach For All-Bewegung eine Eliteschmiede. Denn als Fellow zugelassen wird nur, wer zumindest einen Bachelor-Abschluss mit ausgezeichnetem Erfolg vorweisen kann.

„Nur bei Lehrer/innenmangel können wir Absolvent/inn/en ohne Lehramtsstudium an die Schulen holen“, betont Susanne Brandsteidl, „sonst müssen wir die Geprüften vorziehen. Die Forderungen an die Fellows von Seiten der Organisation sind aber breiter aufgestellt. Nur ein ausgezeichneter Studienerfolg reicht nicht aus, wie Dilek Yücel, Fellow von Teach For Austria und vollwertige Lehrerin an einer Neuen Mittelschule in Wien 20 erklärt: „Um für Teach For Austria arbeiten zu können, braucht man gesellschaftliches Engagement, muss gerne Verantwortung übernehmen, benötigt exzellente Kommunikationsfähigkeiten, Durchhaltevermögen, muss kritikfähig sein und sich mit den Zielen von Teach For Austria identifizieren.“

Der Einstieg ins Projekt

Dilek Yücel ist auf der Jobbörse des TU Career Centers zum ersten Mal auf Teach For Austria gestoßen. „Beim Informationsabend habe ich die Organisation dann besser kennen gelernt und andere Kandidatinnen und Kandidaten getroffen.“ Ihren Entschluss, Teil von Teach For Austria sein zu wollen, traf sie noch dort. Denn in ihr war schon der „unerschütterliche Entschluss, als aktives Mitglied der Gesellschaft einen positiven Beitrag zu leisten“, gereift. „Ich will Veränderungen bewirken und meinen Schülerinnen und Schülern neue Perspektiven aufzeigen, Ich will ihnen zeigen, dass sie im Leben viel mehr erreichen können, als sie glauben und ihnen von ihrem Umfeld zugetraut wird.“

Ein Gewinn für alle Seiten

Geht man von dieser generösen Sichtweise einen Schritt zurück, dann erkennt man, dass eine Organisation wie Teach For Austria im Grund ja eine gelebte Kritik am heimischen Bildungssystem ist. Doch sieht Bibiane Blauensteiner in ihrer Arbeit ein gutes Mittel, in die heimische Bildungspolitik einzugreifen? „Das Ziel ist es, Impulse zu setzen, neue Möglichkeiten aufzuzeigen und gleichzeitig durch den Fellow-Einsatz bereits zu demonstrieren, dass Veränderungen möglich und für alle Seiten ein Gewinn sind. Ich bin überzeugt, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist, dass in Österreich etwas geschehen muss und kann. Zweifler möchte ich darauf hinweisen, dass Teach For Austria Teil des internationalen Bildungsnetzwerks Teach For All ist, das weltweit bereits unglaublich viel bewegt hat.“

Um die Schulsituation für benachteiligte Kinder zu verbessern, würde sich Dilek Yücel wünschen, dass es „eine Schule gibt, die alle Menschen zusammenbringt, unabhängig von ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund. Es müssen breitere Teile der Gesellschaft an der Bildungsdiskussion teilnehmen, und es ist notwendig, die Lehrer/innenschaft in Schulentwicklungsfragen stärker einzubeziehen. Zudem fehlt es an Respekt vor dem herausfordernden und äußerst verantwortungsvollen Beruf von Lehrkräften.“

Länger bleiben wollen und dürfen

Die Arbeit eines Fellows dauert zwei Jahre – doch das Projekt soll zumindest in Wien ausgebaut werden, wie Susanne Brandsteidl erklärt: „Wir nehmen jede zusätzliche Lehrkraft. Mit Zusatzausbildung wird es möglich sein, auch länger im System zu bleiben.“ Und genau das überlegt Bibiane Blauensteiner, die nebenbei seit 2011 Philosophie studiert, für sich. „Es werden gerade die Voraussetzungen geschaffen, um während dieser Zeit im Rahmen einer PH-Ausbildung eine Zusatzqualifikation zu erwerben und damit länger an der Schule bleiben zu können. Ich denke ernsthaft darüber nach, zumindest einmal ein weiteres Jahr zu bleiben, um die jetzigen zweiten Klassen bis zur vierten Klasse begleiten zu können. Für die Zeit danach möchte ich mich noch nicht festlegen. Ich werde jedenfalls, wie alle Fellows, immer ein Teil der Teach For Austria Bewegung bleiben und deren Ziele auch weiterhin aktiv unterstützen.“

Letztes Jahr gaben an die 460 Bewerber/innen einen Antrag bei Teach For Austria ab, um Fellow zu werden. Aus diesem Pool wurden 24 Fellows ausgewählt. In den USA bewarben sich 2011 rund 50.000 Uni-Absolvent/inn/en – wie das übrigens 18 Prozent aller Absolvent/inn/en der Harvard-University für sich beschließen.

----------

Teach For Austria Infoveranstaltung

Am 17. April zwischen 10:20 Uhr und 11:00 Uhr wird Teach For Austria im Zuge der TUday eine Informationsveranstaltung für Interessent/inn/en auf der Messebühne im Freihaus abhalten.

----------

Links zum Thema:

www.teachforaustria.at

 

 

  • Artikelbild
    foto: teachforaustria/markus sepperer
  • Artikelbild
    foto: teachforaustria/markus sepperer
Share if you care.