Klagen kommen Deutsche Bank teuer

20. März 2013, 11:59
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Hypothekenklagen in den USA und der Skandal um Zinsmanipulationen kommen die Bank teurer zu stehen

Frankfurt - Hypothekenklagen in den USA und der Skandal um Zinsmanipulationen kommen die Deutsche Bank immer teurer zu stehen. Deutschlands größtes Geldhaus musste 2012 für Rechtsstreitigkeiten 2,4 Milliarden Euro zurücklegen, 600 Millionen Euro mehr als zunächst angenommen. Das schlägt auch auf den Gewinn der Bank durch - unter dem Strich bleiben nur noch 291 Millionen Euro übrig. Neben diverser Prozesse wegen US-Hypothekengeschäften verwies das Institut als Begründung auf "damit nicht im Zusammenhang stehende regulatorische Untersuchungen". Ein Sprecher präzisierte das nicht. In Finanzkreisen war von neuen Erkenntnissen in vergleichbaren Fällen die Rede, die Strafzahlungen wahrscheinlicher machten. Dabei spielten auch die Tricksereien bei den Banken-Referenzzinssätzen Libor und Euribor, in die die Deutsche Bank verwickelt ist, eine Rolle. Hier drohen Strafen. "Ein Vergleich mit den Behörden steht aber nicht kurz bevor", sagte einer der Insider.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte am Vorabend angekündigt, sie lege bis Ostern ihre gesammelten Erkenntnisse über die Manipulationen vor. "Es bleibt dabei, dass wir im ersten Quartal einen vorläufigen Schlussstrich unter das Thema Libor ziehen werden", sagte Bafin-Chefin Elke König der Nachrichtenagentur Reuters.

Vergleichsverhandlungen

Die Erkenntnisse dürften Finanzkreisen zufolge eine Grundlage für mögliche Vergleichsverhandlungen mit den Ermittlern in Großbritannien und den USA in den nächsten Monaten sein. Die BaFin hatte wegen des Skandals vor einem Jahr eine Sonderprüfung in der Bank gestartet. Andere Banken mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar wegen ihrer Verwicklung in den Zinsskandal zahlen: Dazu zählen Barclays, UBS und die Royal Bank of Scotland. Allein der täglich ermittelte Libor (London Interbank Offered Rate) ist Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus. Händler von mehr als einem Dutzend Großbanken sollen den Zinssatz zu ihren Gunsten manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Neben Strafzahlungen drohen den Instituten auch Zivilklagen geschädigter Investoren.

Die Deutsche Bank hat neben Libor noch andere Ermittlungen am Hals: So ist sie ins Visier der US-Behörden wegen fragwürdiger Geschäft mit dem Iran geraten. Und auch die Hypothekenklagen in den USA begleiten das Geldhaus seit Jahren - in vielen Fällen geht es darum, dass sich Investoren getäuscht fühlten, weil sie von der Bank komplexe Wertpapiere kauften, die sich nach dem Crash auf dem amerikanischen Häusermarkt als wertlos entpuppten. Die Analysten von Credit Suisse rechnen hier mit Kosten für die Deutsche Bank von 2,1 Milliarden Dollar. Für alle europäischen Investmentbanken zusammen gehen sie von elf Milliarden Dollar aus.

Altlasten für die neuen Chefs

Das neue Chefduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen will diese Altlasten nun radikal aus dem Weg räumen und packt dabei soviel wie möglich ins alte Jahr, damit die Deutsche Bank in den nächsten Jahren durchstarten kann. Analyst Dirk Becker vom Investmenthaus Kepler begrüßt dies: "Es ist immer besser, wenn das in den vergangenen Zahlen drin ist als in den kommenden Bilanzen." Börsianer sahen das offenbar ähnlich: Die Deutsche-Bank-Aktie legte 1,5 Prozent zu und damit deutlich stärker als der Dax. Wenn ein Unternehmen die Chance für Zahlungen in Rechtsstreitigkeiten auf mehr als 50 Prozent taxiert, muss es dafür Rückstellungen bilden. Bei über zehn und unter 50 Prozent Wahrscheinlichkeit handelt es sich um so genannte Eventualverbindlichkeiten, die noch nicht ergebniswirksam sind. Diese reduzierten sich bei der Deutschen Bank um 500 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro.

Die höheren Rückstellungen pulverisieren den ohnehin dünnen Jahresgewinn weiter: Das Ergebnis vor Steuern liegt jetzt für 2012 nur noch bei 784 Millionen Euro. Die Bank zahlt die Dividende von 75 Cent je Aktie aus der Substanz. Trotz des geschmälerten Gewinns bekräftigte das Institut, bis Ende März eine harte Kernkapitalquote nach den schärferen Regeln Basel III von 8,5 Prozent zu erreichen. Hierzu baut die Bank unter anderem milliardenschwere Risikopositionen ab. Analyst Becker ist sich sicher: "Die Quote werden sie wohl jetzt schon erreicht haben."(APA, 20.3.2013)

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    Das neue Chefduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen aufräumen.

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