Frequenz-Auktion: Regulator "nicht Inkassant der Republik"

20. März 2013, 09:16
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Regulator fixiert Mindestgebote bei Multiband-Auktion von Funkfrequenzen auf 526 Millionen Euro

Das abschreckende Beispiel datiert aus dem Jahr 2000. Vor 13 Jahren lieferten sich internationale Telekomkonzerne Schlachten, um an Funkfrequenzen für mobiles Breitband zu kommen. In Deutschland lizitierten sich die Betreiber auf 50,52 Milliarden Euro hoch, in Großbritannien war UMTS - gemessen an der Bevölkerungszahl - mit 38 Milliarden noch teurer.

526 Millionen Euro Mindestgebote

Von Beträgen wie diesen ist die im Herbst geplante Multiband-Auktion der Frequenzbänder 800/900/1800 Megahertz weit entfernt. Die 831 Mio. Euro, die A1 Telekom Austria, Max.mobil (T-Mobile) und vier weitere Telcos in Österreich im November 2000 bezahlt haben, scheinen dagegen deutlich näher. Denn auf 526 Millionen Euro summieren sich allein die Mindestgebote, die es zu überspringen gilt, um an das knappe Sendegut heranzukommen.

Ausschreibung offizielle gestartet

Seit der am Dienstag offiziell gestarteten Ausschreibung weiß man auch, wie die Regulierungsbehörde RTR die begehrte Bandbreite für die vierte Mobilfunkgeneration LTE im September 2013 unter den Hammer bringen will. Der Verkaufsprozess erfolgt nicht in einem simultanen Mehrrundenverfahren, sondern in Form einer "kombinatorischen Clock-Auction" (CCA). Dabei könnten - mangels großer einheitlicher Pakete - unterschiedliche Frequenzpakete kombiniert und ersteigert werden. Als offenes Verfahren unterstütze CCA die Bieter besser bei der Preisentdeckung, als dies bei verdeckten Einrundenverfahren der Fall wäre. Zudem böten spezifische Preis- und Aktivitätsregeln für Bieter gute Anreize für "wahrheitsgemäßes Bieten" und der Spielraum für strategisches Gambling werde eingeschränkt.

Drei bringen weniger als vier

Ob es gelingt, Preis- und/oder Verhaltensabsprachen zwischen Bietern hintanzuhalten, bleibt abzuwarten. Das Kollusionsrisiko sei durch die Übernahme von Orange durch Hutchison grundsätzlich größer geworden, werde durch die CCA-Methode aber wieder verringert.

Diesbezügliche Verdachtsmomente und Befürchtungen sind evident, warnte der RTR-Chef doch potenzielle Interessenten bereits Anfang März via Aussendung vor Absprachen oder sonstigen unerlaubten Praktiken.

"Maximierung des Erlöses nicht oberstes Ziel"

"Die Maximierung des Auktionserlöses ist nicht das oberste Ziel des Verfahrens", erteilte RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy Befürchtungen potenzieller Bieter in einem Pressegespräch eine Absage. Man habe die Mindestgebote "am unteren Ende des geschätzten Marktpreises festgelegt", betonte Serentschy - das obere wollte er ebenso wenig nennen wie eine Erlösschätzung. "Das Wesen einer Auktion ist, dass das Ergebnis nicht vorhersehbar ist." Auch eine Vorgabe der Regierung hinsichtlich eines möglichst hohen Versteigerungserlöses gebe es nicht, versicherte Serentschy, dessen Vertrag zu Jahresende ausläuft. "Die Regulierungsbehörde ist nicht Inkassant der Republik. Es gibt keinen Auftrag im Telekom-Gesetz, hier erlösmaximierend zu wirken."

Zur Vergabe gelangen 28 Frequenzblöcke zu je 2 x 5 MHz in den Bereichen 800 MHz ("Digitale Dividende"), 900 MHz und 1800 MHz. Zwei Frequenzpakete im 800-MHz-Bereich sind für einen allfälligen Neueinsteiger reserviert. Das Mindestgebot für dieses Neueinsteiger-Spektrum wurde mit 45,6 Mio. Euro angesetzt. Darüber hinaus kann ein Neueinsteiger Standorte übernehmen, Spektrum im 2,6-GHz-Bereich zukaufen und "National Roaming" nutzen.

Bietergemeinschaften nicht erwünscht

Damit ist klar: Die Bildung von Bietergemeinschaften durch Interessenten ist ebenso wenig erwünscht wie der ressourcensparende Bau eines gemeinsamen Netze. Tritt kein Neueinsteiger an, sind die reservierten Pakete nicht verloren. Im Gegenteil, sie werde gleich mitversteigert. (ung, APA, DER STANDARD, 20.3.2013)

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    Die Auktion der Multiband-Frequenzen wurde nun ausgeschrieben, zwischen Regulator und Interessenten ist die Stimmung frostig.

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