Neues Dokument: Bergoglio kooperierte mit Argentiniens Militärjunta

20. März 2013, 05:30
532 Postings

Ein Journalist will belegen können, dass der neue Papst während der Militärdiktatur jesuitische Ordensbrüder belastete

Während viele Argentinier über die Wahl des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zur Oberhaupt der katholischen Kirche jubeln, erhebt der Journalist Horacio Verbitsky in der Zeitung  "Pagina/12" erneut Vorwürfe gegen den neuen Papst. Der damalige Provinzial der Jesuiten in Argentinien habe zwei seiner Untergebenen nicht vor der Verschleppung durch das Militär geschützt, will er mithilfe bisher unveröffentlichter Dokumente belegen können. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi  bemüht sich indes, die Anschuldigungen gegen Papst Franziskus als Verleumdung "anti-klerikaler linker Elemente, die der Kirche schaden wollen" darzustellen.

Verbitsky hatte in seinem 2005 erschienenen  Buch "El Silencio " behauptet, Bergoglio habe die Padres Francisco Jalics und Orlando Yorio, die in Armenvierteln der Hauptstadt Buenos Aires tätig waren, nicht vor Verfolgung durch die Militärs geschützt. Die Jesuiten wurden 1976 entführt und fünf Monate inhaftiert, bevor man sie nackt auf einem Feld aussetzte.

Bergoglio soll grünes Licht gegeben haben

Laut Angaben Vicente Zazpes, des ehemaligen Vizepräsidenten der argentinischen Bischofskonferenz, gab es eine Übereinkunft zwischen Militär und Kirche: bevor ein Priester verhaftet werden konnte, musste der zuständige Bischof verständigt werden.  Bergoglio soll laut Aussagen ehemals Inhaftierter Jalics und Yorio kurz vor ihrer Verhaftung die Erlaubnis, im Armenviertel Bajo Flores zu predigen, entzogen haben, was die Militärs als grünes Licht angesehen haben könnten.

Der neue Papst selbst gab im Jahr 2010 als Zeuge unter Eid an, er habe sich bei Diktator Jorge Videla und Admiral Emilio Massera mehrmals  persönlich für die Freilassung der beiden Jesuiten eingesetzt.

Außerdem traten der vom Vatikan mehrmals gemaßregelte brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff und Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel, der 14 Monate in einem argentinischen Foltergefängnis verbrachte, zur Verteidigung des neuen Oberhaupts der katholischen Kirche an. Beide äußerten die Ansicht, Bischof Bergoglio habe sich bemüht, bei den Generälen zugunsten von Verschleppten und Inhaftierten zu intervenieren.

Dokument belastet Papst

Zumindest 1979, also drei Jahre nach der Entführung, soll der heutige Papst allerdings zum Nachteil eines der beiden Jesuiten gehandelt haben: Ein Pagina/12 vorliegendes Dokument aus dem argentinischen Außenministerium, das von Anselmo Orcoyen, dem damaligen Kirchenbeauftragten des Ministeriums, unterzeichnet ist, zählt Gründe auf, warum der Reisepass des mittlerweile nach Deutschland geflohenen Folteropfers Jalics nicht verlängert werden sollte. So habe der Jesuit Kontakte zur Guerilla gepflegt und seinen Vorgesetzten mehrmals den Gehorsam verweigert. Quelle der Anschuldigungen laut Orcoyen: Pater Bergoglio selbst.

Die Aufarbeitung des Verhältnisses zwischen katholischer Kirche und Militärdiktatur dürfte Argentinien abseits des Jubels über die Wahl Bergoglios zum Papst  noch länger beschäftigen: erst im Februar dieses Jahres hielt ein Gericht in der Provinz La Rioja erstmals in einem Urteil fest, dass die Kirche Komplize der Generäle war und im Klerus "weiterhin Widerwillen besteht, diese Verbrechen aufzuklären". (bed, derStandard.at, 20.3.2013)

Link

Pagina/12: Cambio de piel (Englische Übersetzung hier)

  • Buenos Aires, 20. Dezember 1990: Ein unbekannter Priester spendet Jorge Videla die Heilige Kommunion. Mittlerweile wurde der ehemalige Diktator wegen mehrfachen Kindesraubs zu einer Haftstrafe von 50 Jahren verurteilt
    foto: reuters

    Buenos Aires, 20. Dezember 1990: Ein unbekannter Priester spendet Jorge Videla die Heilige Kommunion. Mittlerweile wurde der ehemalige Diktator wegen mehrfachen Kindesraubs zu einer Haftstrafe von 50 Jahren verurteilt

Share if you care.