Das Ende einer Führerpartei

Kommentar19. März 2013, 19:24
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FPÖ-Chef Strache muss sich der Kärntner Schwesterpartei entledigen

Es war ein Bild der blanken Hilflosigkeit. Der designierte FPK-Chef Christian Ragger musste eingestehen, dass es ihm nach unzähligen Versuchen nicht gelungen ist, den scheidenden Landeshauptmann Gerhard Dörfler, Noch-Landesrat Harald Dobernig und einen weiteren Abgeordneten zum Verzicht auf ihre Direktmandate zu bewegen. Die drei werden voraussichtlich also als "wilde" Abgeordnete im Kärntner Landtag sitzen. Dörfler hat damit der Partei, für die er noch als Spitzenkandidat in die Wahl gegangen ist, demonstrativ den Rücken gekehrt.

Zu groß dürfte der Frust darüber gewesen sein, die Folgen des Wahldebakels vom 3. März ausbaden zu sollen. Denn das hatte die Regie des zurückgetretenen FPK-Chefs Kurt Scheuch so vorgesehen. Ragger sollte als dessen Vertrauensmann die Partei "erneuern" und das Brüderpaar vom Sternhof, Kurt und Uwe Scheuch, im Hintergrund auch weiterhin die Parteifäden ziehen - inklusive Wiedervereinigung mit der Bundes-FPÖ von Heinz-Christian Strache.

Diese Strategie ist gescheitert - wie schon zuvor im Wahlkampf, als sich Dörfler als jovialer Landesvater vor den ungeliebten Parteichef Scheuch stellte. Die Folgen sind desaströs: Die vom Wähler verjagte machttrunkene Landeshauptmann-Partei schrumpfte erst von 17 auf sechs und durch das Sesselkleber-Triumvirat nochmals auf bloße drei Landtagssitze zusammen. Zu wenige, um einen Klub zu bilden, und mit dramatischer Wirkung: Die Klubförderung ist weg, die Klubräume ebenso, und die Besetzung des einzig verbliebenen FPK-Regierungssitzes bleibt bis auf weiteres ungewiss. Noch nicht einmal zum Parteiausschluss von Dörfler und Co konnte sich der FPK-Vorstand durchringen. Das schob man dem angekündigten Landesparteitag zu.

Selbstzerfleischung

Parteiausschluss oder nicht: Die Folgen laufen auf dasselbe hinaus. Die Kärntner Freiheitlichen, von Jörg Haider einst im Land und dann im Bund zu Einfluss und Macht geführt, zerbröseln in der Hand. Der letzte Akt, nachdem die freiheitliche Sonne vom Kärntner Himmel fiel, nimmt seinen Lauf: Haiders blaue Erben in Kärnten zerfleischen sich selbst.

Dem Treiben kann auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nur ohnmächtig zuschauen. Denn ebenso wie Dörfler, Dobernig und Hannes Anton dem designierten Chef der Kärntner Schwesterpartei, Ragger, die Gefolgschaft verweigern, pfeifen sie auch auf Strache, der ebenfalls ihren sofortigen politischen Rückzug verlangt. Weil Dörfler offenbar absolut nicht zu gehen gewillt ist, schießt sich Strache jetzt auf den schwächeren Harald Dobernig ein - in der Hoffnung, dass wenigstens dieser einknickt.

Dass nach dem Wahldebakel die Wahl auf Ragger als verbleibendes Regierungsmitglied fiel, ist nur logisch. Er scheint vorerst noch nicht vom Kärntner Korruptionssumpf angepatzt und hat auch noch nicht wie Dörfler und Dobernig mit möglichen baldigen Anklagen zu rechnen.

Will Strache jetzt nicht selbst vom Trümmerhaufen FPK massiv beschädigt werden - und zum Teil ist er das ja schon -, muss er sich schleunigst der Kärntner Schwesterpartei entledigen und die Kärntner Blauen sich selbst überlassen.

Viereinhalb Jahre nach seinem Tod ist Haiders Erbe in vier Teile zerfallen: FPÖ, FPK, BZÖ und die Dörfler-Truppe. Das ist das Ende einer Führerpartei, die einmal ganz auf einen einzigen Heilsbringer zugeschnitten war. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 20.3.2013)

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