Nur knorrig ist auch keine Lösung

22. März 2013, 19:01
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"Alte Reben" verheißen Edles und Erhabenes. Ist auch oft so. Nur - wie alt ist eigentlich alt? Und - macht alte Rebe besonderen Wein? Nicht unbedingt, erklärt der Wachauer Winzer Emmerich Knoll

"Alte Reben" - da denkt man an knorrige Stämme und hört im Hintergrund Winzer von Rebstöcken erzählen, die einzigartige Mineralstoffe aus tiefster Tiefe in die Trauben bringen. Nur ist der Begriff weder hierzulande noch anderswo definiert. Insofern steht es jedem Winzer frei, Wein aus Junganlagen zu verkaufsfördernden "Alten Reben" zu machen.

Steht hierzulande "Alte Reben" auf dem Etikett, liegt das Alter des Weingartens meist bei etwa 40 Jahren, während das Gros der Rebflächen etwa 20 Jahre alt ist. Und das ist ziemlich jung, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Spitzenweingüter in Bordeaux Anlagen frühestens ab 15 Jahren für ihre Topweine berücksichtigen.

Alte Reben werden überschätzt

Erklärbar ist die österreichische Jugendlichkeit mit den Umwälzungen nach dem Weinskandal 1985, als vieles neu aufgebaut wurde, auch viele Weingärten. Vor allem ältere Rotweingärten sind eine rare Besonderheit, für die auch der Reichtum eines Gebietes eine Rolle spielt.

Oft gibt es alte Reben vor allem dort, wo schlicht kein Geld für neue Rebstöcke da war, wenn deren Ertrag mit 20, 25 Jahren zu sinken beginnt. Durch diesen Rückgang entwickeln sich auch interessantere Aromen als bloße Fruchtigkeit. Ein weiterer von Winzern ins Treffen geführter Aspekt ist, dass Trockenperioden oder Frost einer tieferen Verwurzelung und dem dickeren Holz weit weniger zusetzten als bei Jungweingärten.

Dem stimmt auch Emmerich Knoll senior mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung mit Spitzenweinen in der Wachau zu. Gleichzeitig aber meldet er Zweifel an der hohen Wertschätzung von alten Reben an. "Meine Erfahrungen beziehen sich allerdings nur auf Weißweine, wo ich das Alter der Rebstöcke für überschätzt halte", erklärt Knoll und verweist auf die Praxis im Weingarten: Was, wenn jedes Jahr einzelne abgestorbene Rebstöcke durch neue ersetzt werden? Was ist mit Weingärten, die man verjüngt, indem ein junger Trieb als neuer Stamm hochgezogen und der alte, verholzte abgesägt wird, dem dadurch die Ertragskraft der Jugend wiedergegeben wird? "Gelten sie dann noch als alte Reben?"

Geringer Ertrag ist kein Kriterium mehr

Die geschmackliche Qualität auf das bloße Rebstockalter zurückzuführen, greife zu kurz, so Knoll. "Früher hat man etwas als top empfunden, nur weil der Ertrag gering war. Das ist aber nur ein Kriterium." Es sei immer das Zusammenspiel von Standort, Sorte und Ertrag, nicht bloß Alter, an denen sich Güte und Qualität ausrichteten.

40-jährige Weingärten, die hier mächtig beeindrucken, sind im portugiesischen Douro-Tal Normalität. "Old vines" in Kalifornien in den traditionellen Zinfandel-Gebieten nördlich von San Francisco können 90 Jahre und älter sein. Block 42 von Penfolds im Barossa Valley in Südaustralien gilt als ältester Cabernet-Sauvignon-Weingarten der Welt, der noch im Ertrag steht und wurde 1888 gepflanzt. Und an der Saar in Deutschland wachsen 120 Jahre alte Rieslingstöcke, die, behütet und gepflegt, Spitzenweine von heute ergeben. Vor allem international betrachtet, wird vieles relativ. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 22.3.2013)

  • Als Winzer- Urgestein weiß Emmerich Knoll senior, dass Knorrigkeit allein kein Garant für guten Wein ist.
    foto: dpa/karl-josef hildenbrand

    Als Winzer- Urgestein weiß Emmerich Knoll senior, dass Knorrigkeit allein kein Garant für guten Wein ist.

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