Bankenkrise: Zypriotische Zechpreller

Kommentar19. März 2013, 21:38
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Zyperns Banken haben eine lange Party hinter sich

Zyperns Banken haben eine lange Party hinter sich. Das Finanzsystem hat sich der Krise zum Trotz immer weiter aufgebläht, auf das Sieben- bis Achtfache der Wirtschaftsleistung der kleinen Volkswirtschaft. Mehr als 26 Milliarden Euro an Einlagen sind alleine seit 2008 in die Banken auf der Insel geflossen, zu großen Teilen aus dem Ausland, angelockt von niedrigen Steuern, laxen Regulierungen und dem Gefühl relativer Sicherheit.

Auf die Party folgt aber der Kater. Weil die zypriotischen Banken das viele Geld mehr schlecht als recht investiert haben (Stichwort: griechische Staatsanleihen), stehen sie vor dem Kollaps. Ohne die Hilfe von Staat und europäischen Geldgebern würden die Institute den Gesetzen der Marktwirtschaft ausgesetzt werden. Die Banken müssten abgewickelt werden, und die Sparer mit Einlagen jenseits der 100.000-Euro-Grenze müssten mit deutlichen Verlusten rechnen. Der Internationale Währungsfonds ist in die Verhandlungen um das aktuelle Rettungspaket mit der Forderung gegangen, die Banken zu restrukturieren und den zypriotischen, aber auch russischen Großsparern 30 bis 40 Prozent ihres Sparvermögens abzunehmen.

Dagegen sind die nun abgelehnten Pläne der Einlagensteuer geradezu harmlos. Die Sparer in Zypern profitierten über Jahre von niedrigeren Steuern und höheren Sparzinsen als im Rest der Eurozone. Wenn sie nicht angemessen an den Aufräumarbeiten beitragen, wäre das Zechprellerei. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 20.3.2013)

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