Die Kopierformel für erfolgreiche Populisten

19. März 2013, 21:17
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Von Haider bis Stronach, Populisten haben immer dieselbe Devise: Markige Sprüche, große Versprechen

Auf einmal ist da jemand, dem die Leute nachrennen. Der das politische Spiel durcheinanderbringt. Der quasi aus dem Nichts auftaucht und im Wählerteich fischt, weil die Worte zünden, die Verheißungen funkeln. Ein (ungedecktes) Zukunftsversprechen. Er - in der Regel ist es ein Er - ist da, wo "das Volk" ist. Der Populist ist nah beim "populus". In Österreich hieß er einmal Jörg Haider. In Italien jetzt Beppe Grillo. Und Frank Stronach ist wohl auch einer.

"Populismus - Was ist neu?" war das Thema des STANDARD-Montagsgesprächs, das Kolumnist Gerfried Sperl moderierte. Wenn man (neue) Populisten identifizieren will, muss man zuerst definieren, was alles Populismus ist oder sein kann, sagte Politologe Reinhard Heinisch (Uni Salzburg). Ihm zufolge ist zwischen "Populismus als Politikstil und Kommunikationsform" und "Populismus als Ideologie oder System mit ideologischem Kern" zu unterscheiden. Wer also stilistisch als echter Populist auftreten will, muss sich an das Volk ranschmeißen: "Besonders volksverbunden, markig, opportunistisch anbiedernd."

Helmut Zilk konnte das, Erwin Pröll kann es auch, aber beide waren bzw. sind laut Heinisch "vom Wesen, von der Substanz her nicht populistisch". Ihnen fehlt(e) die ideologische Unterfütterung aller Populisten, rechts wie links: das Ausgehen von einem "homogenen Volksbegriff", das Identifizieren "böser finsterer Gruppen, die von außen kommen", die Lust am Fingerzeig auf "Spaltpilze" - seien es Eliten, Banker, Ausländer, "Andere" eben. Das tun Populisten. Und Jörg Haider war unzweifelhaft einer. Seine politischen Nachlassverwalter in Wien und Kärnten wissen das. Ohne ihre Führerfigur implodieren populismusgenährte Parteien zwar nicht, aber sie ahnen und lernen, "dass die Führer ersetzbar sind und dass man die Formel kopieren muss."

Nur ohne Menschenfänger vorn geht's einfach nicht. Da hilft auch die "Brot-und-Spiele-Politik" vergangener Tage nichts, sagte Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle (FH Kärnten). Der FPK hat bei der Kärntner Landtagswahl vor allem eine "charismatische Führungspersönlichkeit gefehlt". Erfolgreicher Populismus aber muss eine Projektionsfläche anbieten, die die Überzeugten dazu bringt, ja geradezu zwingt, ihre "Loyalität voll zu geben". Ganz oder gar nicht. Alles für den einen oder nichts. Diese Strahlefigur war jetzt vielleicht nicht da, aber die Umstände, die Populisten liegen, sind es, sagte Stainer-Hämmerle, auch mit Blick nach Griechenland: "Krise, Unsicherheit und relativ reformunfähige Politik, die Handlungsunfähigkeit erweckt."

Im Berlusconi-Populismus-gesättigten Italien ist mit dem Komiker Beppe Grillo eine neue "Strahlefigur" in der Politik aufgetaucht, die die alte Kunst des Populismus nicht nur durch politischen Straßenwahlkampf, sondern vor allem mithilfe neuer Medien und via Internet betreibt - höchst erfolgreich, was der EU-Korrespondent der italienischen Zeitung "Avvenire", Giovanni Del Re, auch darauf zurückführte, "dass Italien sehr anfällig ist für so Galionsfiguren".

Das Galionsfigur-Potenzial von Frank Stronach hierzulande hält der Historiker Lothar Höbelt (Uni Wien) für überschaubar und zitierte dazu Luchino Viscontis Film "Il Gattopardo" mit dem Satz "Die Dinge müssen sich ändern, um gleich zu bleiben. Stronach wird jene zehn Prozent machen, die das BZÖ unter Haider hatte." Oder anders betrachtet: "Haider-Boom 2008. Stronach-Boom 2013. 2018???", fragte Höbelt: "Das wäre Heinz-Christian Straches Schreckensvision: Wenn zum dritten Mal jemand daherkommt und ihm den Wahlsieg stiehlt." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 20.3.2013)

  • Gesichter des Populismus: Bruno Kreisky, Kanzler von 1970 bis 1983, gilt vielen als Erfinder des Populismus in Österreich. Er verdichtete Inhalte auf verständliche und einprägsame Botschaften und nutzte geschickt die Medien. (im Bild: Kreisky-Abbild im Tussaud's Vienna)
    foto: reeuters/prammer

    Gesichter des Populismus: Bruno Kreisky, Kanzler von 1970 bis 1983, gilt vielen als Erfinder des Populismus in Österreich. Er verdichtete Inhalte auf verständliche und einprägsame Botschaften und nutzte geschickt die Medien. (im Bild: Kreisky-Abbild im Tussaud's Vienna)

  • Jörg Haider, Landeshauptmann in Kärnten von 1989 bis 1991 sowie von 1999 bis zu seinem Tod 2008, setzte den Populismus gezielt auch gegen Ausländer und zur Stimmungsmache ein.
    foto: apa/eggenberger

    Jörg Haider, Landeshauptmann in Kärnten von 1989 bis 1991 sowie von 1999 bis zu seinem Tod 2008, setzte den Populismus gezielt auch gegen Ausländer und zur Stimmungsmache ein.

  • Fritz Dinkhauser, ehemals ÖVP-Mitglied und Tiroler Arbeiterkammer-Präsident, trat 2008 mit eigener Liste und markigen Sprüchen an und wurde in Tirol vorübergehend zweitstärkste Kraft.
    foto: apa/parigger

    Fritz Dinkhauser, ehemals ÖVP-Mitglied und Tiroler Arbeiterkammer-Präsident, trat 2008 mit eigener Liste und markigen Sprüchen an und wurde in Tirol vorübergehend zweitstärkste Kraft.

  • Heinz-Christian Strache, seit 2005 Chef der FPÖ, bemüht sich politisch um das Erbe Jörg Haiders, sein Populismus ist um einiges dumpfer und schrammt immer wieder am Rassismus entlang.
    foto: ap/punz

    Heinz-Christian Strache, seit 2005 Chef der FPÖ, bemüht sich politisch um das Erbe Jörg Haiders, sein Populismus ist um einiges dumpfer und schrammt immer wieder am Rassismus entlang.

  • Erwin Pröll ist bereits  seit 1992 Landeshauptmann von Niederösterreich und mächtigster Politiker der ÖVP. Er hat ein gutes Gespür für Themen und schreckt dabei vor Populismus nicht zurück.
    foto: apa/hochmuth

    Erwin Pröll ist bereits  seit 1992 Landeshauptmann von Niederösterreich und mächtigster Politiker der ÖVP. Er hat ein gutes Gespür für Themen und schreckt dabei vor Populismus nicht zurück.

  • Frank Stronach tritt mit einfachen Botschaften an, er transportiert das Bild von einem, der es geschafft hat - bis zum Milliardär. Am Wählermarkt tritt er derzeit hauptsächlich mit der FPÖ in Konkurrenz.
    foto: reuters/bader

    Frank Stronach tritt mit einfachen Botschaften an, er transportiert das Bild von einem, der es geschafft hat - bis zum Milliardär. Am Wählermarkt tritt er derzeit hauptsächlich mit der FPÖ in Konkurrenz.

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