Von Satire zur Pädagogischen Hochschule

Blog19. März 2013, 18:27
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Ein Brief an Herrn Schlau-Meier über die neue Lehrer-Ausbildung

Candidus Zwick
Universität zu Schilda
Fachabteilung 08/15

Leonidas Schlau-Meier
Forschungsinstitut für die Erforschung von Forschungsinstituten
daselbst

Lieber, hochgeschätzter Kollege Schlau-Meier

Ich hoffe es geht Ihnen gut! Ich meine das ernst, denn es scheint mir schon bedenklich, dass Sie nun in ihrem schönen neuen Institutsgebäude nur allein über den Korridor mit der prächtigen Aussicht auf den Fluss gehen dürfen, um die Statik des Gebäudes nicht zu gefährden.

Aber eigentlich wollte ich von Ihnen, dessen gemächliche Kombinationsgabe ich immer sehr geschätzt habe, eine Beurteilung einer Entwicklung erbitten, die hierorts durchaus von mehreren Kolleginnen und Kollegen als befremdlich eingeschätzt wird.

Am Anfang steht eine eigenwillige Sicht von "Aufstiegshilfe": Wie man auf der Webseite des dortigen Unterrichtsministeriums leicht nachlesen kann, sollen Lehrerinnen und Lehrer sich an Pädagogischen Hochschulen "nachqualifizieren". Also hurtig auf der Graduiertenleiter nach oben geklettert, denn "mit der Nachqualifizierung zum Bachelor of Education eröffnen sich für Lehrerinnen und Lehrer früherer Lehramtsausbildungen neue Möglichkeiten für weitere Studien".

Und welche: Auf einer anderen Webseite (Sie sehen, lieber Schlau-Meier, ich bin dem Medium schon ganz verfallen) lächeln die Ministerin für Unterricht und der Minister für Wissenschaft und Forschung ganz großkoalitionär und trotzdem untypisch harmonisch vom Bildschirm. Sie propagieren dort die PädagogInnenbildung neu. Wenn der für Universitäten zuständige Minister ins Bild kommt, sobald die neu gebildeten Herrschaften die Leiterstufe der Bakkalaurii (hoffentlich stimmt das so) erklommen, dann muss das doch etwas bedeuten!

Wo weiterer Bildungshöhenflug verheißen wird, dann muss das (hier kombiniere ich scharf wie weiland Nick Knatterton) mit dem installierten Ausbildungspotential der Pädagogischen Hochschulen zu tun haben. Lieber Schlau-Meier, liege ich falsch wenn die Leiter zum Aufstieg an etwas angelehnt ist, was sich der Universität nähert ohne es zu sein?

Wissen Sie, mein lieber Schlau-Meier, so von meinem Lieblingslehnstuhl aus frage ich mich schon, was denn die erfolgreichen Bezwinger der Aufstieghilfe dann unterrichten werden. WIE sie unterrichten werden, das ist ja klar: Nach dem höchstmöglichen Standard, den die Pädagogische Hochschule zu vermitteln vermag, was denn sonst (ich kann Sie bis hierher kichern hören – sie nehmen mich doch nicht etwa nicht ernst?). Aber WAS, WAS, so frage ich Sie, werden die guten Leutchen denn unterrichten? Das Fachliche kann man doch, so hab' ich möglicherweise in meiner Naivität geglaubt, nur an Fachinstituten von Universitäten lernen (und warum ist dem koalitionsseligen zuständigen Minister dieser Gedanke nicht auch schon gekommen und hat ihn grimm auf seinen Kollegen schauen lassen?)

Also, lieber lieber Schlau-Meier, ich hoffe Sie können sich einen Reim drauf machen, was da im Busch ist.

Ich muss Ihnen noch ein Geheimnis verraten. Aufstiegsleitern müssen ja von vertrauenswürdigen Personen gehalten werden, das versteht sich ja im Sinne der Aufzusteigenden ganz von selbst. Irgendwie scheint ja gedacht zu sein, dass die Leitern in einen Olymp führen. Und was muss dort herrschen? Sicherheit? Absolut! Und wie macht man das: Na, die Leiterhalter halten die Leitern deshalb so sicher, weil sie allesamt verbeamtet sind. Hire and fire, diese universitäre Unsitte hat doch dort keinen Platz, sonst fiele womöglich noch die Leiter um (und auf die Universitäten, die ja keinen Schaden nehmen dürfen).

Glauben Sie, die Leiterbenutzer hoffen, am Ende der Fahnenstange angekommen auch den Lorbeerkranz der Definitivstellung vorzufinden...?

Schlau-Meier, ich glaube es ist genug.

Ich wünsche ihnen von Herzen Wohlergehen und ob der sich anbahnenden Dinge kein Bauchgrimmen und keinen Verdruss

Herzlichst Ihr treu verbundener alter

Candidus Zwick

(Wolfgang Weigel, derStandard.at, 19.3.2013)

Wolfgang Weigel ist ao. Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien, Vorsitzender des Joseph von Sonnenfels Center für ökonomische Analyse des öffentlichen Rechts und Gründungsmitglied sowie Mitglied des Beirats der European Association of Law and Economics. Er ist Mitglied des Universitätslehrerverbands (ULV), Sekretär des ULV an der Universität Wien und Pressereferent im Vorstand des ULV sowie ehemals langjähriger Vorsitzender der Personalvertretung an der Universität Wien.

  • Mehr Macht den Universitäten? Vielleicht hilft ein Brief an Herrn Schlau-Meier weiter.

    Mehr Macht den Universitäten? Vielleicht hilft ein Brief an Herrn Schlau-Meier weiter.

  • Wolfgang Weigel, Volkswirt.
    foto: privat

    Wolfgang Weigel, Volkswirt.

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