U-Bahn-Attacke: Keine Gleichbehandlung

Leserkommentar19. März 2013, 16:59
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Das Urteil für jenen Mann, der eine schwarze Frau vor die U-Bahn gestoßen hat, lässt Zweifel am Rechtssystem aufkommen

Seit vielen Jahren sind Menschen mit dunkler Hautfarbe in Österreich wiederholt mit Rassismus und Diskriminierung bei der Wohnungsuche, der Jobsuche und sogar auf der Straße konfrontiert.

Der vor kurzem in Wien verhandelte Fall, bei dem eine 36-jährige Kenianerin von einem österreichischen Mann auf die U-Bahn-Schienen gestoßen wurde und nur durch die Hilfe couragierter Menschen mit einer Körperverletzung davonkam, anstatt vom herannahenden Zug erfasst zu werden, lässt mich nun auch an der österreichischen Justiz zweifeln. Wo bleibt die Gerechtigkeit, frage ich mich, wenn der Täter nur der Körperverletzung angeklagt wird und dann (in dieser Instanz) nur eine bedingte Haftstrafe bekommt?

Ungerechtes Rechtssystem?

Es drängt sich der Verdacht auf, dass das Rechtssystem eine Gruppe von Menschen bevorzugt. Schwarze Menschen werden allzu gerne als Täter gehandhabt, auch wenn sie das Opfer sind.

Diese Art der Justiz verhindert gute Integration, da sie der Person das Gefühl vermittelt, von der derzeitigen Gesetzeslage nicht ordnungsgemäß geschützt zu werden. Ungleichbehandlung tut weh, Unrecht auch.

Weitere Beispiele lassen aufhorchen

Dieser Fall erinnert uns an vorhergegangene Fälle, zum Beispiel die "Operation Spring". Die Dokumentation zeigt auf, dass die Justiz zweigleisig fährt, wenn sie mit Menschen mit dunkler Hautfarbe zu tun hat, etwa in den Fällen Bakary J., Mike Brenna, Seibane Wague und zahlreichen weiteren, die nicht an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Aus diesem Grund hat sich das Angebot der Black Community Oberösterreich entwickelt: Dokumentation und Hilfestellung bei Diskriminierungsfällen, Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und Kontakt mit Behörden.

Multikulturelle Gesellschaft

Unsere Gesellschaft ist multikulturell, und sie muss sich überlegen, wie gemeinsam ein gutes Zusammenleben erreicht wird, damit sich jede und jeder Einzelne in unserer Gesellschaft wohl und sicher fühlen kann. (Anselem Uche Njoku, Leserkommmentar, derStandard.at, 19.3.2013)

Anselem Uche Njoku ist Geschäftsführer der Black Community Oberösterreich.

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