Beilmord an Wiener: Witwe leugnet vor Gericht

19. März 2013, 17:57
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Mit 18 Hieben auf den Kopf wurde im Jänner 2012 ein 56-Jähriger in seiner Wohnung in Wien-Favoriten getötet. Laut Staatsanwaltschaft soll seine Frau die Mörderin sein, die beharrt aber auf ihrer Unschuld: Auch sie sei Opfer von zwei Unbekannten geworden

Wien - "Und hatte Ihr Mann irgendwelche Feinde? Killerkommandos sind in Wien etwas ungewöhnlich", merkt Andreas Böhm in gewohnt trockener Manier an. Er sitzt dem Geschworenengericht vor, das darüber entscheiden muss, wie Harald K. am 9. Jänner 2012 in seiner Wohnung in Wien-Favoriten ums Leben gekommen ist. Ermordet von Sarah K., die als Angeklagte hier sitzt? Oder gemeuchelt von zwei unbekannten Maskenmännern, wie die 37-jährige Witwe schildert?

Begonnen hat die Geschichte im Jahr 2003, als die Krankenschwester den Angestellten der Wiener Linien geheiratet hat. Wie innig die Beziehung war, ist schwer zu sagen - es gab jedenfalls immer wieder wechselseitige Gewalt. So wurde im Jahr 2008 der Mann mit einem Betretungsverbot belegt, am 29. Dezember 2011 wies die Polizei die Angeklagte aus der Gemeindewohnung, da sie ihrem Mann zweimal ins Gesicht geschlagen haben soll, wie der damals sagte.

Gehalten hat sich Sarah K. nicht daran, was ihren Gatten aber nicht gestört haben dürfte. Laut der von Andrea Kain vertretenen Anklage muss es in der Nacht von 9. auf 10. Jänner wieder Streit gegeben haben - auch Möbel sollen laut Ohrenzeugen umgeflogen sein.

Striktes Leugnen

Die Angeklagte, die die Kapuze ihres Sweaters im Saal aufbehält, leugnet strikt, etwas damit zu tun gehabt zu haben. Im Gegenteil: Man sei friedlich vor dem Fernseher gesessen, als es geläutet habe und zwei maskierte Männer in die Wohnung gestürmt seien. Vorsitzenden Böhms Frage nach Feinden des Mannes verneint sie. Sie sei gefesselt und ins Schlafzimmer gebracht worden, wo einer der Täter versuchte, sie zu vergewaltigen. Was mit ihrem Mann geschehen sei, wisse sie nicht.

Der medizinische Sachverständige Johann Missliwetz weiß es. Mit einer Hiebwaffe - mit 90-prozentiger Sicherheit einem Beil - wurde dem Opfer 18-mal auf den Schädel geschlagen. Dann wurde versucht, sein Bein abzuhacken, was misslang. Und schließlich wurde die Leiche angezündet.

Löchrige Verteidigungslinie

Sicher ist auch, dass Sarah K. einige Stunden nach der Tat um ein Uhr morgens in Simmering aufgegriffen wurde. Nur mit einem Slip bekleidet und einer Pyjama-Hose, mit Blutspritzern um den Hals. Die Begründung der, laut Sachverständigen zurechnungsfähigen, Frau: Die Unbekannten hätten sie in deren Auto entführt und dann ausgesetzt.

Diese Verteidigungslinie ist allerdings löchrig wie ein Schleppnetz. Denn in der Wohnung und auf der Kleidung wurden nur DNA-Spuren der Eheleute gefunden, Hinweise auf die Anwesenheit Dritter gibt es keine.

Das Urteil wird am Mittwoch erwartet. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 20.3.2013)

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