Der US-Präsident will zuhören

19. März 2013, 18:23
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Die Erwartungen an Barack Obamas Besuch in Nahost sind gering

Eher eine "Charme-Offensive" als konkrete Pläne oder gar politischen Druck erwarteten israelische Beobachter von Barack Obama, der am Mittwoch seinen als überfällig geltenden ersten Israel-Besuch als US-Präsident antreten soll. "Obama könnte der erste amtierende Präsident sein, der Israel als Tourist besucht", hatte der prominente Kolumnist Thomas Friedman in der "New York Times" gestichelt. In einem Vorab-Interview für Israels meistgesehenen TV-Kanal hatte Obama selbst zurückhaltend erklärt: "Mein Ziel auf dieser Reise ist zuzuhören."

Obama wird in Jerusalem mit der israelischen und in Ramallah mit der palästinensischen Führung zusammentreffen. Zu den Inhalten hieß es nur allgemein, dass über den Iran, Syrien und den israelisch-palästinensischen Konflikt gesprochen werden soll.

Aus dem sorgsam ausgetüftelten Besuchsprogramm ist das Bemühen herauszulesen, keinen Fehler zu machen. So vermeidet es Obama, an die Klagemauer zu gehen, weil diese ja in der Altstadt von Jerusalem und somit im politisch umstrittenen Ostteil der Stadt liegt - es hätte die Palästinenser verärgert, den US-Präsidenten im Geleit von israelischen Sicherheitskräften zu sehen. Aus ähnlichen Gründen kann sich Obama auch nicht in die dort gelegene Grabeskirche wagen.

Keine Obama-Rede vor israelischem Parlament

Zur Enttäuschung der israelischen Gastgeber hat es Obama zudem abgelehnt, seine politische Rede am Donnerstag als Auftritt vor dem Parlament zu inszenieren, er wird in einem Konferenzzentrum vor Studenten sprechen. Die Rede soll trotzdem das Hauptinstrument sein, mit dem er "wieder einen Kontakt zu den israelischen Menschen herstellen" will.

Weil er sich 2009 mit einer Rede in Kairo zunächst der arabischen Welt zugewandt hatte, während seiner ersten Amtszeit nie nach Israel gekommen war und ein gespanntes Verhältnis zu Premier Benjamin Netanjahu hatte, gilt Obama bei den Israelis als sehr unfreundlicher US-Präsident. Doch auch bei den Palästinensern ist er nicht beliebt. Demonstranten trampelten am Montag in Bethlehem auf Obama-Postern herum. (Ben Segenreich, DER STANDARD, 20.3.2013)

  • US-Präsident Barack Obama landet wird von Israels Premier Benjamin Netanjahu am Ben Gurion International Airport nahe Tel Aviv empfangen. "Wir wollen Frieden mit unseren palästinensischen Nachbarn", sagte Netanjahu in seinen Begrüßungsworten.
    foto: reuters/darren whiteside

    US-Präsident Barack Obama landet wird von Israels Premier Benjamin Netanjahu am Ben Gurion International Airport nahe Tel Aviv empfangen. "Wir wollen Frieden mit unseren palästinensischen Nachbarn", sagte Netanjahu in seinen Begrüßungsworten.

  • Israelische Schulkinder proben mit kleinen Fahnen die Ankunft von US-Präsident Obama.
    foto: reuter/baz ratner

    Israelische Schulkinder proben mit kleinen Fahnen die Ankunft von US-Präsident Obama.

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