Warum afrikanische Buntbarsche ihre Jungen zur Adoption freigeben

23. März 2013, 17:58
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Vetmed-Forscher fanden heraus: Die "Prinzessin vom Tanganjikasee" erhöht damit die Überlebenschance ihrer Nachkommen

Wien - Dass Tiere die Jungen fremder Eltern als die eigenen akzeptieren, kommt gar nicht so selten vor. Das ist dennoch erstaunlich, denn Adoption widerspricht einer der Grundthesen der Darwin'schen Evolutionstheorie: Eltern sollten nämlich so viel eigenen Nachwuchs zeugen, wie nur möglich. Wissenschafter von der Vetmeduni Vienna schlagen in einer neuen Studie bei afrikanischen Buntbarschen eine Lösung dieses Widerspruchs vor. Eigenen Nachwuchs in fremden Nestern zu haben, erhöht offenbar bei allen Jungtiere die Wahrscheinlichkeit, zu überleben.

Da die Bruthöhlen der "Prinzessin vom Tanganjikasee" (Neolamprologus pulcher) oft Attacken von Fressfeinden ausgesetzt sind, geben sie einen Teil ihres Nachwuchses zur Adoption frei und nehmen auch "fremden" Nachwuchs auf. Das fanden Forscher um Franziska Schädelin vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung heraus.

Die Buntbarsch-Art, die ausschließlich im zentralafrikanischen Tanganjika-See vorkommt, bildet kooperative soziale Gruppen, bleibt monogam und betreibt Brutpflege. Dazu bauen Elternpaare kleine Nesthöhlen, um ihre Laichgelege und später die geschlüpften Jungtiere vor Raubtieren zu schützen. Bei Tauchgängen zum Seegrund in zwölf Metern Tiefe sammelten die Forscher mehr als 350 DNA-Proben aus über 30 Nestern von Elterntieren und dem Nachwuchs.

Aufgrund der genetischen Analysen wussten die Wissenschafter, aus welchen Nestern der Nachwuchs ursprünglich kam. In manchen Bruthöhlen fanden sie Jungtiere, die aus Nestern stammten, die bis zu 40 Metern entfernt lagen. Diese Distanz können die Jungfische aber nicht überwinden, ohne gefressen zu werden.

Eltern bringen Jungfische zu Adoptiveltern

Das legt den Schluss nahe, dass die Eltern ihre Kinder im Maul über diese Distanzen hinweg zu ihren Zieheltern bringen. "Direkt gesehen haben wir das allerdings nicht", in Aquarien wurde dieses Verhalten aber bereits beobachtet, erklärte Schädelin.

Ein wichtiger Faktor für die Aufnahme in einem fremden Nest scheint die Größe zu sein. Dass kleinere Fische öfter gefressen werden ist bekannt, daher scheinen die Zieheltern kleineren Zuzug zu bevorzugen. "Wenn man sich aber die Nester mit adoptierten und nicht adoptierten Fischen ansieht, dann zeigt sich, dass fast alle gleich groß sind", so die Forscherin. "Meine Vermutung ist, dass die Kleinen, wenn sie transportiert werden, noch winzig sind. Es scheint aber, als würden sich ihre Eltern genau aussuchen, ob der Nachwuchs im nächsten Nest in etwa gleich groß ist." Es gehe also darum sicherzustellen, dass der Nachwuchs im Vergleich mit den neuen Geschwistern nicht nach unten herausfällt, was die Größe betrifft und damit leichter zur Beute wird.

Risiko-Streuung durch Verdünnungseffekt

Durch dieses Verhalten können die Buntbarsche das Risiko für ihren Nachwuchs verteilen - es kommt zu einem Verdünnungseffekt. Schädelin: "Für eine Fischart, die so stark Fressfeinden ausgesetzt ist, muss es von großer Bedeutung sein, eine Strategie zu haben, die wenigstens einigen der Jungen einer Brut das Überleben sichert. Es sieht so aus, als würden diese Buntbarsche es vermeiden, alles auf eine Karte zu setzen." (APA/red, derStandard.at, 23.03.2013)

  • Eine Kolonie von Buntbarschen (Neolamprologus caudopunctatus) im Tanganjikasee in sieben Metern Tiefe. Die Tiere geben ihre Jungen gerne zu machmal weit entfernten  Pflegeeltern.
    foto: stefanie schwamberger

    Eine Kolonie von Buntbarschen (Neolamprologus caudopunctatus) im Tanganjikasee in sieben Metern Tiefe. Die Tiere geben ihre Jungen gerne zu machmal weit entfernten  Pflegeeltern.

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