Kann/darf/soll Mathematik unter das Patentrecht fallen?

23. März 2013, 17:58

Ökonomische Aspekte einer alten Debatte: Ist Mathematik eine Sache des Erfindens oder des Entdeckens?

In der kommenden Ausgabe der "Notices of the American Mathematical Society" legt der Mathematiker David Edwards von der University of Georgia einen Vorschlag vor, der nicht zuletzt seinen Fachkollegen zugute kommen soll: Sie sollten sämtliche von ihnen entdeckten (oder entwickelten, das ist nämlich die entscheidende Frage) Formeln und Algorithmen zum Patent anmelden können. Insbesondere solche, die sich für Software verwenden lassen, aber nicht nur. Mathematiker könnten so Gruppen bzw. Unternehmen bilden und wirtschaftlich unabhängig werden.

Edwards nimmt damit eine klare Position in einer sehr alten philosophischen Debatte ein: Werden mathematische Phänomene und Problemlösungen entdeckt ... oder werden sie erfunden? Oder wie es Stephen Ornes im "New Scientist" überspitzt formuliert: Hat es die Primzahlen schon vor dem Urknall gegeben?

Der "New Scientist" nimmt die Debatte mit einem Artikel vorweg, der einige recht interessante Denkanstöße enthält. Und uns nebenbei - zusätzlich zu denen in der Märchenwelt und denen im Forum - mit einer dritten Spezies von Trollen bekannt macht: den "Patent-Trollen". Lesen Sie hier:

--> New Scientist: "Should business be allowed to patent mathematics?"

(red, derStandard.at, 23. 3. 2013)

 

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Die Lösung für das Primzahlenproblem wird an den Höchstbietenden versteigert

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oder so ähnlich könnte schon bald eine Überschrift lauten,... als wenn alles in Geld gemessen werden könnte,... ist doch klar, alle mathematischen Formeln sind Entdeckungen, was aber vmtl. nur ein leidenschaftlicher Mathematiker so klar erfahren kann,... :)

Ich glaub ich spinne...

... es gibt tatsächlich Personen welche über die Patentierfähigkeit von mathematischen Formeln nachdenken? Ich glaubs nicht....
Pflanzen, Gene, chemische Verbindungen, FORMELN? Nach dem Feuer und dem Rad als nächstes den Glauben an Gott, Mohamed ichweißnichtwen?

"der nicht zuletzt seinen Fachkollegen zugute kommen soll"

ähm, nein. Das tut es nicht. So etwas kommt _nur_ den Anwälten zugute. Ich bin Softwareentwickler, und Softwarepatente sind den Entwicklern nie zugute gekommen. Ich kenne kaum einen Kollegen, der für Softwarepatente ist. Wenn man vom Fach ist, dann erkennt man leicht, wie sinnlos und kontraproduktiv diese sind.

Und da "Mathematikpatente" den Softwarepatenten sehr nahe stehen würden, wären Mathematiker gut beraten, von der Softwarebranche zu lernen, und um diese Dinge einen weiten Bogen zu machen.

Die Materie interessiert mich, aber ich verstehe wenig davon. Interessant, was Sie sagen, aber könnten Sie das etwas ausführen - ich glaube, ich würde Ihre Meinung gern teilen, aber ich brauche einige gute Argumente.

hmm..

also wenn der kapitalistisch misshandelte mensch in seinem verständnis und umgang mit der mathematik als lösung noch mehr wirtschaftsökonomisch besudeltes terrain erzeugt ,kotz ich mich an. ich hasse dieses zeitalter jetzt schon... verdammtes gieriges pack

ich patentiere die 0...

Mentalmasturbation!

Die Anwälte reiben sich jetzt schon die Hände....

So ein Schwachsinn... Nachdem die ewigen Patentkriege schon die Softwareindustrie jegliche Kreativität rauben, wo sogar runde Ecken patentiert werden will das jetzt noch jemand freiwillig in die Welt der Mathematik übertragen?

angewandte Mathematik war schon immer patentierbar

aber eben nur in Zusammenhang mit einer konkreten Anwendung mit klar
definierbarem wirtschaftlichen Nutzen. Allerdings sind mathematische
Algorithmen zumeist schwer nachweisbar und leicht umgehbar, da immer
versteckt in SW, Firmware oder Hardware. Wirklich wertvoll sind
mathematische Algorithmen nur wenn sie in einem Produktstandard so wie
etwa MP3 einfließen. 99.9% der Mathematik die auf Unis betrieben wird
ist "reine" Mathematik die sich kaum sinnvoll auf Algorithmen abbilden lässt
und daher nicht wirtschaftlich verwertbar ist. Grundlagenforschung wird
wie Kunst immer auf Mäzene und/oder staatliche Förderung angewiesen sein,
gewerbliches Schutzrecht wird hier keine nennenswerte Alternative darstellen.

die Frage ist: Wie will man das schützen? Das Ergebnis einer Rechnung unterscheidet sich nicht von einer anderen.
Geheimhaltung mag hier der bessere Weg sein, wenn es wirkliche eine Geldbringende Entdeckung ist.

Das sind zwei Fragen: 1. "Kann/darf/soll Mathematik unter das Patentrecht fallen?" ; 2. "Ist Mathematik eine Sache des Erfindens oder des Entdeckens?"

@2: Natürlich ist Mathematik ein Konstrukt, eine Erfindung. Mathematik wird definiert als "Wissenschaft, die selbst durch logische Definitionen geschaffene abstrakte Strukturen mittels der Logik auf ihre Eigenschaften und Muster untersucht". Sie schafft sich durch Logik ihre eigenen Strukturen, die sie dann mittels der Logik untersucht. Also ist die Mathematik konstruiert. Die meisten Menschen verwechselns das natürliche Zählen mit Mathematik, Mathematik ist aber mehr, ich kann noch ganz andere Strukturen schaffen, die nichts mehr mit natürlichen zählen zu tun haben und die uns völlig fremd sind.

@1: Nein. Mathematik darf nicht, soll nicht unters Patentrecht fallen.

@2: wieso ist dieses reine Konstrukt überhaupt auf die physikalische Welt anwendbar?

(Oder anders: http://abstrusegoose.com/504 )

Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Mathematik konstruiert ist - denn das ist sie - sondern ob die Logik, mit der ich die Strukturen schaffe, die ich dann untersuche und was ich Mathematik nenne, erfundne ist.

Und da gibts zwei Weltanschauen. Die eine sagt, ja Logik ist sowas wie ein grundgesetz im Universum. Die Sätze "Gleiches und Gleich" und "Ungleiches ist Ungleich" sind so fundamental, dass sie zur Struktur des Universums gehören, in verbindung mit Kausalität, etc.

Die Zweite sagt, dass unser gehirn nur so aufgebaut ist. Unser Gehirn arbeitet logisch, daher kann es auch nur Logik erkennen. Das Universum kann auch durchaus sehr unlogisch sein, aber unser Gehirn erkennt eben nur den logischen Anteil und daher kommt uns das Universum und der ganze Rest so logisch vor.

Sind Aussagen wie »Gleiches ist gleich« etc. nicht selbst eine mathematische Grundaussage?

Und: Ich bezweifle, daß unser Gehirn von selbst logisch denkt, sondern erst durch Sprache und Beschäftigung mit den Formen der Umwelt gelernt hat, logisch zu denken.

ja da haben sie jetzt eine der wichtigsten und umstrittendsten fragen der gesamten philosophie schnell einmal beantwortet ;) hätte kant sich seine kritik der reinen vernunft gleich sparen können ...

Eher nein; und nicht nur, weil Kant auch noch andere Fragen aufgeworfen hat. Vielmehr ist diese Frage zwischen kategorialem und logischen Quantum von Kant einigermaßen beantwortet worden (und zwar ohne die konstitutive Kategorie explizite heranzuziehen). Humes Uniformitätsprinzip hingegen bleibt in der nämlichen Unsicherheit wie Frege zwischen dem »Humeschen Prinzip« und Axiom V (Wertverlauf) ersichtlich ist. Schließlich ist die neofregeanische Begründungsstrategie der »second-order arithmetic« geeignet, klar zu legen, daß Arithmetik nicht ohne Logik, und Logik nicht ohne Arithmetik möglich ist. Diese Wechselbeziehung wird aber nicht in der jeweiligen vollständigen Formalisierung erkenntlich.

Weltanschauen... Weltanschaungen... dass ich immer das ung weglasse (jaja, ich weiss, ist nicht mein einziger Fehler ;-))

okay... ich werd nie wieder meine Postings ausbessern, das wird nur noch peinlicher...

iMath? ;-)

eine spannende frage. denn einerseits gehen wir heute her und sagen: "eine lied, eine komposition, ist allgemeingut, weil der hat das ja nicht einfach so geschafft, sondern nur durch all das vor ihm"

andererseits regen wir uns (zurecht wie ich meine, darueber auf, dass z.b. saatgut patentiert wird).

die frage ist doch letzten endes: was ist schuetzenswert und was nicht? und in welcher form.

so einfach wie es scheint, ist die die beantwortung dann aber doch nicht

mathematik ist ein kulturgut. Viele auswüchse der patentiererei sind eine extremistische frechheit und willkür
- Der sinn dahinter ist es, uns in allen belangen des lebens hoheitlich und ökonomisch zu kontrollieren.

Ich hab gerade entdeckt, dass

wenn ich Tomatensosse, Käse, Salami und Schinken auf einen ausgerollten Teig lege und diesen mehrere Minuten bei 180 Grad in den Ofen stecke, dass das Ganze danach ziemlich lecker wird. Diese überragende Entdeckung kann ich mir doch sicher patentieren lassen, oder?

Wie, bitte? Was soll ich mir in die Haare schmieren...?

Zu spät! Und sie schulden mir jetzt 100 € wegen Patentrechtverletzung.

Für jede Matheschularbeit, die Pi enthält ist nunmehr eine Lizenzgebühr zu entrichten.

Und zwar an die Nachfahren des Achimedes. Nachdem diese aber nicht eindeutig auszuforschen sind, übernimmt derweil der griechische Staat die Aufgabe der Verwaltung der entrichteten Lizenzgebühren.

Bla Bla Bla.

Nicht einmal ansatzweise witzig, da hier frundamentales Basiswissen über Patente fehlt.

1.) Patente werden nur für Erfindungen erteilt, welche neu sind und auf erfinderischer Tätigkeit beruhen.

2.) Mathematische Verfahren etc. sind vom Patentschutz ausgenommen.

3.) Die maximale Laufzeit eiens Patentes ist 20 Jahre.

Nun scheint auf einmal Ihr Witzchen viel weniger lustig, oder?

nö, eigentlich nicht...., immer noch witzig!

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