Keine "freie Bahn" für Vergewaltiger

19. März 2013, 21:34
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Die Schriftstellerin Julya Rabinowich hat eine Gruppen-Lesung gegen die "derzeitige Rechtssprechung bei Sexualdelikten" organisiert - am 24. März im Schauspielhaus

Wie geht unsere Gesellschaft und unser Rechtssystem mit Opfern von sexueller Gewalt um? Viele Frauenrechtsaktivistinnen beklagen seit langem eine sogenannte Vergewaltigungskultur, die den Opfern moralisch die Schuld an Übergriffen zuspielt und gleichzeitig eine mangelnde strafrechtliche Verfolgung von Sexualtätern.

Als im letzten Jahr bekannt wurde, dass ein verurteilter Vergewaltiger einer Minderjährigen in Salzburg mit einer sechsmonatigen Fußfessel-Strafe davon kam, begann es in Julya Rabinowich zu gären. "Ich habe mich schon lang über den Umgang mit Opfern von sexueller Gewalt geärgert, aber dieser Fall brachte mich zum Handeln". 

Protestlesung

Für eine gemeinsame Protestlesung hat sie viele Kolleginnen aus der schreibenden Zunft zusammengetrommelt, denen es ähnlich geht. "Von Tätern und Opfern. Wider die derzeitige Rechtssprechung bei Sexualdelikten" heißt der Event, der am Sonntag, den 24. März im Schauspielhaus Wien über die Bühne geht. Lesen werden u.a. Andrea Maria Dusl, Sabine Gruber, Olga Flor, Sybille Hamann, Elfriede Hammerl, Gabriele Kögl, Margaret Kreidl, Lydia Mischkulnig, Helga Christine Pregesbauer, Eva Rossmann, Susanne Scholl, Andrea Stift, Linda Stift und Cornelia Travnicek. Die meisten Autorinnen haben dafür neue Texte zum Thema sexuelle Gewalt vorbereitet, manche werden themenspezifische Passagen aus ihrem bisherigen Werk vortragen.

"Ganz bewusst" habe man sich nicht auf einen Forderungskatalog in puncto Sexualstrafrecht geeinigt, so Rabinowich, die selbst auch aktiv an der Lesung teilnehmen wird. "Ich bin keine Juristin und mir geht es darum, ein Zeichen zu setzen. Derartig niedrige Strafen wie in Salzburg und anderswo signalisieren den Tätern freie Bahn."

Internationale Protestströmung

In den letzten Jahren hat die Kritik am gesetzlichen Umgang mit Sexualstraftaten wieder an Fahrt genommen. Ausschlaggebend waren dabei auch prominente Fälle wie etwa Dominique Strauss-Kahn in New York oder im deutschen Sprachraum der Fall Kachelmann. Im Februar 2013 gingen weltweit Millionen Frauen im Rahmen des V-Days auf die Straße, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. (red, dieStandard.at, 19.3.2013)

Protestlesung: "Von Tätern und Opfern. Wider die derzeitige Rechtssprechung bei Sexualdelikten"
Moderation: Susanne Scholl
Musik: Sormeh (Iran/Serbien)

Sonntag, 24. März 2013
11 Uhr
Schauspielhaus Wien
Porzellangasse 19 
1090 Wien

Eintritt: 5 Euro

  • Organisatorin und Autorin Julya Rabinowich fordert härtere Strafen für Sexualstraftäter.
    foto: margit marnul

    Organisatorin und Autorin Julya Rabinowich fordert härtere Strafen für Sexualstraftäter.

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