Rekordschneller Weißer Zwerg sieht ungewissem Ende entgegen

24. März 2013, 12:02
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RX J0648.0-4418 könnte unseren fernen Nachfahren ein Spektakel so hell wie der Vollmond liefern

Mailand - In rund 2.119 Lichtjahren Entfernung befindet sich ein binäres Sternsystem, bestehend aus einem sogenannten Unterzwerg (HD 49798) und einem Weißen Zwerg (RX J0648.0-4418). Letzterer hat es in sich: Für eine Rotation benötigt er nur 13,2 Sekunden und ist damit schneller als jeder andere Stern dieser Art. Würde die Erde mit diesem Tempo rotieren, risse es sie vollständig auseinander, wie der "New Scientist" berichtet.

Ermöglicht wird das aberwitzige Tempo dadurch, dass es sich um einen ultramassiven Weißen Zwerg handelt: Der Stern hat eine unserer Sonne vergleichbare Masse auf Mars-Größe komprimiert. Sandro Mereghetti vom Mailänder Institut für Astrophysik glaubt, dass RX J0648.0-4418 einen Teil seiner Masse von seinem Partner erhalten hat. HD 49798 soll sich vor einigen hunderttausend Jahren zum Roten Riesen aufgebläht haben, doch wurde der Prozess vom Nachbarn beeinflusst: Die äußeren Schichten flossen auf RX J0648.0-4418 ab, trafen diesen in einem schrägen Winkel und beschleunigten so seine Rotation. HD 49798 indes blieb als heißer Unterzwerg zurück.

Sehr, sehr unterschiedliche Lebenserwartungen

Stabilen Weißen Zwergen schreiben Astronomen eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer zu - sie können über Billiarden von Jahren hinweg langsam abkühlen, vielleicht sind es sogar noch einige, kaum noch vorstellbare, Größenordnungen mehr. Instabile Weiße Zwerge wie RX J0648.0-4418 hingegen haben eher die Lebenserwartung einer biologischen Spezies. In ein paar Millionen Jahren, so Mereghetti, wird RX J0648.0-4418 durch weiteren Materiezufluss von seinem Partnerstern einen kritischen Punkt erreichen und zerstört werden. Wie sein Tod abläuft, hängt allerdings von seiner uns unbekannten chemischen Zusammensetzung ab.

Handelt es sich um eine Sauerstoff-Neon-Mischung, wird sich RX J0648.0-4418 in Zukunft sogar noch schneller drehen als heute. Dann könnte er nämlich kollabieren und sich danach in einen Millisekunden-Pulsar mit einer dem Namen entsprechenden Rotationsdauer verwandeln. Wenn es sich hingegen um die weitaus häufigere Sauerstoff-Kohlenstoff-Zusammensetzung handelt, würde er wohl eine Supernova vom Typ Ia hervorbringen. Aufgrund der hohen Masse und der Entfernung des Sterns würde dieses Phänomen am Erdhimmel so hell wie der Vollmond erstrahlen. (red, derStandard.at, 24. 3. 2013)

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