Herzschwäche als Killerkrankheit

19. März 2013, 12:55
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Laut Experten sind die Prognosen bei Herzinsuffizienz ähnlich wie bei Krebs - Rundum-Versorgung der Patienten sei ausschlaggebend

In Österreich leiden rund 250.000 Patienten an chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz), in Europa sind es rund 28 Millionen. "Die Herzinsuffizienz ist eine bösartige Krankheit mit einer Prognose, die vergleichbar jener von vielen Krebserkrankungen ist", sagte vor einiger Zeit der Salzburger Spezialist Johann Altenberger, Vorsitzender einer entsprechenden Arbeitsgruppe der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG).

Organisierte Rundum-Versorgung der Patienten durch Pflegepersonal, Hausärzte, Fachärzte und Krankenhäuser ist der beste Weg, um Leiden, Todesfälle und hohe Kosten zu vermeiden. Ein Problem, so die Wiener Spezialistin Irene Lang von der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien/AKH: "Fast 40 Prozent der Patienten, die erstmals einer der 31 österreichischen Herzinsuffizienz-Ambulanzen zugewiesen werden, leiden bereits an den Krankheitsstadien NYHA III oder IV ." Dabei handelt es sich um ein fortgeschrittenes bis sehr fortgeschrittenes Stadium.

Verringerte Mortalität

Die moderne medikamentöse Behandlung mit Beta-Blockern, ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blockern hat die Mortalität in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Hinzu kommen implantierbare Geräte zur Resynchronisation der Herzkammern bzw. Schrittmacher mit Defibrillator-Funktion.

Etwa 40 Prozent der Fälle von Herzinsuffizienz sind auf koronare Herzkrankheiten - z.B. der Zustand nach einem akuten Infarkt - zurückzuführen. Beim Rest rutschen die Betroffenen oft aufgrund von schlecht oder gar nicht behandeltem Bluthochdruck beziehungsweise anderen nicht vermeidbarer Risikofaktoren langsam in eine Herzschwäche hinein.

Etwa die Hälfte der Fälle von Herzinsuffizienz, bei der das Pumporgan langsam in seiner Leistung zu schwach wird, gehen auf nicht oder nur schlecht behandelte Hypertonie und auf koronare Herzkrankheiten zurück. Darüber hinaus käme es auf eine möglichst engmaschige Versorgung der Betroffenen durch niedergelassene Hausärzte, Kardiologen und Krankenhäuser an.

Bessere Chancen durch Netzwerk-Betreuung

70 Prozent der Kontrollen dieser chronisch kranken Patienten finden in Österreich laut der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft noch immer im Spital statt. Dabei bietet offenbar eine netzwerkartige Betreuung die besten Chancen auf optimale Therapie und Vermeidung unnötiger Kosten: Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen am besten ist.

Seit einigen Jahren gibt es auch Projekte zur telemedizinischen Betreuung der Herzinsuffizienz-Patienten. Die sogenannte INTENSE-HF-Studie aus der Steiermark wurde in Wien erst vor wenigen Tagen präsentiert. 300 Probanden werden aufgenommen. Einmal im Monat bekommen sie Besuch von einem Betreuer. Die Hälfte von ihnen erhält ein Telemedizin-Set: Täglich messen die Patienten ihren Blutdruck, die Herzfrequenz und das Körpergewicht. Zusätzlich wird über Symbole das Wohlbefinden von den Kranken beurteilt und die Einnahme der Medikamente dokumentiert. Die Blutdruck-, Pulsfrequenz- und Gewichtsdaten werden per Near Field-Technologie an ein Smartphone gesendet - dieses schickt dann die gesammelten Informationen an die federführende Klinik.

Bei Problemen nehmen Spezialisten noch am selben Tag Kontakt mit dem behandelnden Hausarzt auf, um eine Anpassung der Therapie zu beraten. Man will vor allem untersuchen, ob man mit einem solchen System die Hospitalisierungsrate und die Sterblichkeit senken kann. (APA/red, 19.3.2013)

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