Österreichs Schreckgespenst

19. März 2013, 13:56
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Das ÖFB-Team weist gegen die Färöer eine ausbaufähige Bilanz auf. Und jetzt kommt auch noch die Zipfelmütze zu Besuch

Man muss bösen Zungen trotzen: Nein, nein, nein, Österreich ist nicht der Lieblingsgegner der Färöer-Inseln. Gegen Liechtenstein haben die Insulaner in drei Spielen ebenso viele Siege gefeiert. Gegen Malta hält man nach drei Spielen auch noch die weiße Weste. Die Kasachen wurden zwei Mal, wenn auch nur freundschaftlich, geschlagen. Auch Estland, Luxemburg, Litauen, Aserbaidschan, Island und Kanada wurden bereits bezwungen. San Marino und Andorra sind ohnehin keine Gegner.

Doch die Färöer brachten in ihrer noch jungen Fußballgeschichte nicht nur Zwerge ins Schwitzen: 1991 glückte ein 1:1 gegen die Türkei, neun Jahre später musste sich der spätere WM-Teilnehmer Slowenien in der Quali in Toftir mit einem 2:2 begnügen, im September 2002 endete ein EM-Quali-Vergleich mit Schottland ebenfalls 2:2.

Österreichs Bilanz ist mager

Österreichs Nationalteam weist vor dem WM-Qualifikationsspiel am Freitag (20.30 Uhr) mit zwei Siegen, einem Remis und einer Niederlage zwar eine positive Bilanz auf, trotzdem ist diese Statistik gegen die aktuelle Nummer 153 der Welt ausbaufähig. Auswärts reichte es in zwei Partien gar nur zu einem winzigen Pünktchen.

Das denkwürdigste Duell stieg freilich am 12. September 1990 in der schwedischen Stadt Landskrona, wo die Färöer ihr Heimspiel austragen mussten, weil es damals auf der Inselgruppe kein geeignetes Stadion gab. Der Außenseiter setzte sich in seinem ersten Pflichtspiel überhaupt dank eines Treffers von Torkil Nielsen mit 1:0 gegen eine Mannschaft durch, die kurz zuvor an der WM teilgenommen hatte und mit Kickern wie Toni Polster oder Andreas Herzog für heimische Verhältnisse gar nicht so schlecht besetzt war. Teamchef Josef Hickersberger nahm daraufhin seinen Hut.

Brückners Anfang vom Ende

Das erste und bisher einzige richtige Auswärtsspiel gegen die Färöer leitete in Österreich einen weiteren Nationaltrainer-Abschied ein. Mit Karel Brückner auf der ÖFB-Betreuerbank reichte es am 11. Oktober 2008 in der WM-Qualifikation in Torshavn nur zu einem 1:1 - vier Monate später war die Amtszeit des Tschechen vorbei.

Immerhin waren die Heimspiele bisher eine klare Sache für Österreich. Am 22. Mai 1991 gewann die ÖFB-Auswahl in Salzburg 3:0, am 5. September 2009 gab es in Graz ein 3:1. Zumindest in diesen Partien wurden die Österreicher jener Favoritenrolle gerecht, die sich allein schon aus den Größenverhältnissen ergibt. In der Alpenrepublik sind 502.174 Fußballer und 2.293 Vereine gemeldet, auf den Färöer gibt es 4.431 Kicker und 22 Clubs.

Der Schrecken ist zurück

Vorsicht ist jedenfalls geboten: Der legendäre Färöer-Goalie Jens Martin Knudsen hat als Talisman seine weiße Zipfelmütze mitgebracht. Der 45-Jährige arbeitet zwar nicht mehr als Assistenz-Trainer des Färöer-Teams, ließ sich den Wien-Trip aber dennoch nicht nehmen, auch weil er am Dienstag sein Buch "Der Mann mit der Pudelmütze" präsentierte.

Dem 1:0 in Landskrona wird darin ebenso große Aufmerksamkeit gewidmet wie seiner Haube - die er damals fast nicht getragen hätte. "Weil ich mir gedacht habe, ich könnte zum größten Trottel Europas werden, wenn ich mit dieser Mütze den Ball sechs-, siebenmal aus dem Tor fischen muss." (APA/red; 19.3.2013)

Bilanz Österreich - Färöer (4 Spiele - 2 Siege, 1 Unentschieden, 1 Niederlage, Torverhältnis 7:3):

  • 12. September 1990 (EM-Q), Landskrona (SWE): Färöer - Österreich 1:0
  • 22. Mai 1991 (EM-Q), Salzburg: Österreich - Färöer 3:0
  • 11. Oktober 2008 (WM-Q), Torshavn: Färöer - Österreich 1:1
  • 5. September 2009 (WM-Q), Graz: Österreich - Färöer 3:1

Der Kader der Färöer für das Fußball-WM-Qualifikationsspiel am 22. März im Wiener Happel-Stadion gegen Österreich:

  • Tor: Teitur Gestsson (Torshavn/0 Länderspiele), Kristian Jönsen (Runavik/0), Gunnar Nielsen (vereinslos/11)
  • Abwehr: Jonas Tor Naes (Valur Reykjavik/ISL/28/0 Tore), Pol JohannusJustinussen (Runavik/9/0), Rogvi Baldvinsson (Bryne FK/NOR/9/1), OdmarFaerö (Forfar Athletic/SCO/4/0), Viljormur Davidsen (FK Jerv/NOR/0), AtliGregersen (Vikingur Gota/18/0)
  • Mittelfeld: Frodi Benjaminsen (Torshavn/72/5), Hallur Hansson (Aalborg/DEN/4/0), Pätur Dam Jacobsen (Streymur/2/0), Hans Pauli Samuelsen (Streymur/0), Simun Eiler Samuelsen (Torshavn/40/1), Daniel Udsen (Herlev/DEN/11/0)
  • Angriff: Arnbjörn Hansen (Streymur/13/3), Joan Simun Edmundsson (Viking Stavanger/NOR/17/1), Christian Holst (Silkeborg/DEN/34/3), Hjalgrim Elttör (Klaksvik/26/0)
  • Artikelbild
  • Tórshavn feiert das 1:0 von Landskrona.

  • Herbert Prohaska ortet am 11. Oktober 2008 einen großen Stellungsfehler.

  • Die Färöer am Dienstag beim Training in Wien.
    foto: apa/pfarrhofer

    Die Färöer am Dienstag beim Training in Wien.

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