"Karriere mit Lehre" als Frau noch schwieriger

19. März 2013, 10:21
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Mädchen mit technischer Ausbildung bleiben oft nicht in Berufsfeld - Expertinnen fordern Masterplan gegen alte Denkmuster

Wien - "Mache es Dir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht noch schwerer und versuche nicht, in einem Männerberuf Fuß zu fassen" - diese und ähnliche Aussagen sind es, die Gewerkschafterinnen zum Verzweifeln bringen. Noch immer arbeitet fast ein Drittel der weiblichen Lehrlinge in drei Lehrberufen, jedes zehnte Lehrmädchen wird Friseurin.

Viele bleiben nicht in technischen Berufen

Und selbst wenn sich die jungen Frauen für eine "untypische" Ausbildung entscheiden, ist das erst die halbe Miete. "Wir haben leider die Erfahrung gemacht, dass von den Mädchen, die sich für technische Berufe entscheiden, sehr viele nach der Ausbildung nicht im Berufsfeld verbleiben", so Renate Römer, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer, bei der Veranstaltung "Karriere mit Lehre! Auch für Mädchen?" der Sozialpartner von ÖGB und WKÖ.

Masterplan gegen alte Denkmuster fehlt

Rund ein Drittel aller 15-jährigen Mädchen beginnt eine Lehre, Anfang der 1990er Jahre war es circa ein Viertel. Die Fixierung auf wenige, eher schlecht bezahlte Jobs spiegelt sich schon beim Berufseinstieg wider. Weibliche Lehrlinge verdienen in den klassischen "Mädchenberufen" im ersten Lehrjahr um fast zehn Prozent weniger, im letzten Lehrjahr sind es dann schon fast 35 Prozent, rechnete Regine Wieser vom Institut für Berufsbildungsforschung vor. Sie kritisierte einen "fehlenden Masterplan in der Politik zum Beseitigen alter Denkmuster".

Auffällig sei auch, wie sehr Medien die Berufswahl bestimmen. So gebe es durch die "CSI"-Serien im TV eine große Nachfrage nach einem Beruf als Forensikerin. Zu beobachten sei außerdem, dass sich Mädchen in Kinderjahren noch vielen Berufswünschen gegenüber aufgeschlossen zeigen, dies aber in der Pubertät nachlasse.

Kritik an einseitigen Medienbildern

ÖGB-Vizechefin Sabine Oberhauser wünscht sich von den Medien eine Darstellung von jungen Frauen, die sie nicht auf Partygirls reduziert. Sendungen wie die ATV-"Dokus" "Wir leben im Gemeindebau" und "Saturday Night Fever" seien dazu nicht angetan, meinte sie bei der Sozialpartner-Diskussion "Karriere mit Lehre! Auch für Mädchen?" in Wien.

Probleme in männerdominierten Feldern

Viele junge Frauen würden über sexuelle Belästigung klagen, dazu käme das Gefühl bei den Arbeiten ungleich behandelt zu werden. Wobei das Problem nicht unbedingt beim Arbeitgeber selbst angesiedelt sein muss, wie die Siemens-Facharbeiterin Karima Anders zu bedenken gab: "In der Firma war es voll in Ordnung, aber in der Berufsschule war es die Hölle. In den Raucherhof ging ich nur sehr ungern", erzählte sie aus ihrer Mechatronik-Lehre in der Berufsschule in der Wiener Mollardgasse.

Dabei sollten sich die jungen Arbeitskollegen nicht als Machos aufspielen, sondern von den Kolleginnen was lernen, meinte Helmut Schroll, Ausbildungschef bei Siemens Österreich. "Die Frauen sind die besseren Männer", so seine Erfahrung. (APA, 19.3.2013)

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    Frauen in männerdominierten Berufen klagen über sexuelle Belästigung und allgemeine Diskriminierung - etwa, in dem sie bei den Arbeiten ungleich behandelt werden und damit immer "die Anderen" bleiben.

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