Wenn Turbohändler die Aktienkurse waschen

18. März 2013, 19:49
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Die US-Börsenaufsicht warnt vor immer mehr "Fantasie-Liquidität". Sie will den Hochfrequenzhandel stärker unter die Lupe nehmen

New York / Wien - Die US-Behörden nehmen die Hochfrequenzhändler (HFT) erneut unter die Lupe. HFT-Unternehmen kaufen und verkaufen mithilfe von Computer-Algorithmen Millionen an Aktien oder anderen Finanzkontrakten im Abstand von wenigen Nanosekunden. Die Aufsicht CFTC prüft, ob es zu illegalen "Wasch"-Orders gekommen ist.

Ölpreis und Agrarwerte im Visier

Die Turbohändler sollen in manchen Fällen sowohl die Kauf- als auch die Verkaufsorder in den Markt stellen (das wird als "Wash-Trade" bezeichnet). Der Sinn dahinter: Damit können die Händler die Preise manipulieren und andere Marktteilnehmer mit falschen Marktdaten täuschen. Die CFTC prüft laut einem Bericht des Wall Street Journal insbesondere den Handel mit Futures-Kontrakten. Diese Derivate werden etwa auf den Ölpreis, Agrarrohstoffe, aber auch Aktienindizes gehandelt. Mehrere hunderttausend illegale "Wash-Trades" sollen alleine an den Futures-Märkten täglich durchgeführt werden, so die CFTC.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Turbohändler mit Gegenwind konfrontiert sind. Im Mai 2010 erschütterte der "Flash-Crash" die US-Märkte, als binnen weniger Minuten die großen Aktienindizes um neun Prozent abgestürzt waren, nur um binnen weniger Minuten wieder zu steigen. Zudem geriet im Vorjahr das Finanzunternehmen Knight Capital in Bedrängnis, als es wegen eines havarierten Computer-Programms innerhalb weniger Stunden 450 Millionen Dollar Verlust machte.

Marktverzerrung

Die HFT-Unternehmen betonen immer wieder, dass sie mit ihrem Turbohandel Liquidität für andere Marktakteure bereitstellen. Davon profitierten Banken, Pensionsfonds oder Investmentgesellschaften, weil sie weniger für ihre Order zahlen müssen, so das Argument. Doch Bart Chilton, Aufseher der CFTC, betont, dass gerade die "Wasch"-Orders alles andere als nützlich sind: "Es sieht vielleicht aus wie Liquidität, aber es ist keine. Es ist Fantasie-Liquidität." Und diese falschen Orders verzerrten zudem die Märkte.

Daher sollen die Börsen stärker kontrollieren, ob es zu den illegalen Orders kommt. Bereits heute setzen die Börsenplätze Filter ein. Doch angesichts des immer höheren Tempos des Handels, mit tausenden Orders innerhalb einer Sekunde, ist es schwierig, illegales Verhalten nachzuweisen. (sulu, DER STANDARD, 19.3.2013)

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    Ich sehe was, was gar nicht ist. Mit "Wash-Trades" manipulieren Hochfrequenzhändler Börsenkurse, mahnen Aufseher.

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