Der Dunstabzug und die tödliche Vergiftung in der Badewanne

18. März 2013, 18:34
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Im April ist eine 27 Jahre alte Studentin in ihrer Badewanne an Kohlenmonoxid erstickt

Wien - Das Wetter trägt eine Teilschuld, dass das Ehepaar Van und Thi N. vor Richterin Stephanie Öner sitzt. Und die Tatsache, dass der 40-Jährige vor bald sechs Jahren ohne Fachkenntnisse eine Dunstabzugshaube in seiner Wohnung eingebaut hat, die er an den Kamin angeschlossen hat. Das sollen zwei der Gründe sein, warum am 27. April 2012 eine 27 Jahre alte Studentin in der Wohnung darüber in ihrer Badewanne an Kohlenmonoxid erstickt ist.

Angeklagt ist "fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen", beide bekennen sich nicht schuldig. Denn, wie Katharina Schmid, Verteidigerin des Mannes, ausführt, sei gar nicht sicher, ob der Dunstabzug etwas mit dem Tod der Frau zu tun hat.

Der Sachverhalt ist in der Tat komplex, und Richterin Öner lernt dank eines Rauchfangkehrers und eines Gasinstallateurs als Zeugen neue Begriffe wie "fanggebundene Gasfeuerstätten" und "elektrische Abgasklappe".

Abgasklappe

Vereinfacht ausgedrückt, hatte damals das warme Wetter dafür gesorgt, dass die Abgase aus dem Kamin nicht mehr richtig abziehen konnten. Die Therme des Opfers sprang an, als sie sich das Badewasser einließ. Zwei weitere Probleme kamen dazu: Die Abgasklappe, die sich schließen sollte, sobald sich die Therme ausschaltet, blieb aufgrund eines Defektes offen. Und die Studentin hatte eine Entlüftung im Badezimmer mit einem Handtuch abgedichtet. Innerhalb weniger Minuten muss eine tödliche Menge Kohlenmonoxid in der Luft gewesen sein.

Die Anklage wirft Van N. nun vor, dass die Luft aus seinem Dunstabzug dafür gesorgt hat, dass das giftige Gas in die Wohnung der Nachbarin gedrückt wurde. Nur: Noch ist nicht klar, ob dieser damals in Betrieb war. Für das mit bis zu drei Jahren Haft bestrafte Delikt ist es allerdings unerheblich, ob es zu einer Verkettung unglücklicher Umstände kam - die Pfuschinstallation würde schon reichen.

Zur Ladung weiterer Zeugen wird vertagt, dann sollen auch die Sachverständigen aussagen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 19.3.2013) 

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