Wie Anonymous ein US-Dorf überführen will

18. März 2013, 18:02
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Videos von Vergewaltigung einer Schülerin führen zu Footballteam in US-Gemeinde Steubenville - Weitere Ermittlungen angekündigt

Chicago - Das Video, auf denen sich die beiden Teenager damit brüsten, eine betrunkene Mitschülerin vergewaltigt zu haben, wurde ihnen am Ende zum Verhängnis - und belegt möglicherweise eine Verschwörung in der 18.000-Einwohner-Gemeinde Steubenville in Ohio. Am Sonntag verurteilte ein Richter die heute 16- und 17-Jährigen zu mindestens einem Jahr Gefängnis, beide könnten bis zu ihrem 21. Geburtstag im Gefängnis bleiben. "Mein Leben ist vorbei", soll einer von ihnen bei der Urteilsverkündung gesagt haben, geweint haben sie beide.

Dass die beiden Mitglieder der erfolgreichen Footballmannschaft des Ortes sind, spielt eine große Rolle in der Geschichte. Wie Videos und Handyfotos beweisen, sahen mehrere Mitglieder des Sportteams an dem Abend im August tatenlos zu, wie die bewusstlose Schülerin zuerst in einem Auto und dann in einem Keller vergewaltigt und missbraucht wurde. Auf Twitter tauchte später der Kommentar eines Zeugen auf, dass manche Menschen es verdient hätten.

Proteste und andere Opfer

Die Hacker-Gruppe Anonymous stellte das Video mit Bildmaterial ins Netz, um zu beweisen, dass sich nicht nur die beiden Verurteilten strafbar gemacht hätten, sondern auch jene, die von der Vergewaltigung wussten und sie nicht angezeigt hatten. Über mehrere Wochen kam es in dem Ort immer wieder zu Protesten, auch andere Opfer sollen sich gemeldet haben, dass Übergriffe durch Mitglieder des Footballteams vertuscht worden sein sollen.

Weitere Ermittlungen angekündigt

Die Staatsanwaltschaft hat weitere Ermittlungen angekündigt, 16 weitere Personen, darunter auch Trainer und Eltern, haben vorerst die Aussage verweigert. Mehrere SMS wurden in dem Verfahren präsentiert, die nahelegen, dass auch der Cheftrainer des Teams von den Vorwürfen gewusst haben muss. In anderen Videos, die von Anonymous ins Internet gestellt wurden, machen sich Mitschüler über die Tat und das Opfer lustig. Mittlerweile haben nicht nur Aktivisten, sondern auch die Stadtverwaltung eine eigene Homepage eingerichtet und Daten zu dem Verfahren und den Beteiligten veröffentlicht. Die Bloggerin Alexandria Goddard aus Steubenville hatte als Erste über den Fall berichtet und die Medienlawine ins Rollen gebracht. (juh, DER STANDARD, 19.3.2013)

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    Protest und Umarmung vor dem Gerichtssaal.

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