Schweden unterstützen ihre Kinder am längsten

18. März 2013, 18:12
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In Ländern mit hohen Familienleistungen greifen Eltern ihren Kindern am längsten unter die Arme - das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Österreich liegt mit 1.000 Euro jährlich im Mittelfeld

Wie sehr und wie lange unterstützen Eltern in europäischen Ländern ihre Kinder mit Finanzspritzen? Das hat das Österreichische Institut für Familienforschung (ÖIF) mit Bezug auf aktuelle Daten dargestellt. Berücksichtigt man Zahlungen von mindestens 250 Euro pro Jahr und Kind, zeigt sich ein klares Bild: Ganz vorne liegen schwedische Eltern – in der Gruppe der über 50-Jährigen unterstützt hier jeder oder jede Dritte das Kind oder die Kinder noch finanziell. Auf Platz zwei der spendabelsten Eltern liegt Dänemark. Gefolgt von Deutschland, wo 27 Prozent der Eltern über 50 den Kindern monetär unter die Arme greifen.

Griechische Verhältnisse in Österreich

Europaweites Schlusslicht in Sachen Spendabilität sind spanische Eltern: Hier können nur neun Prozent der Mütter und Väter über 50 ihren Kindern noch etwas dazuzahlen. In Österreich tun das 26 Prozent, das Land liegt damit mit Griechenland ex aequo im oberen europäischen Mittelfeld. In Frankreich unterstützt ein Fünftel der Eltern über 50 Jahre den Nachwuchs noch finanziell, in Italien sind es 18 Prozent. Auch bei der Höhe der Zahlungen liegt Österreich mit 1.000 Euro pro Jahr und Kind im europäischen Mittelfeld.

Süd-Nord-Gefälle

Es zeigt sich also, dass just Eltern in Ländern mit hohen Sozial- und Familienleistungen ihre Kinder besonders lange finanziell unterstützen. Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Sieht man sich nämlich die konkrete Höhe der Unterstützungen an, zeigt sich eher ein "Süd-Nord-Gefälle" in Europa: So zahlen schwedische Eltern ihren Kindern pro Jahr nämlich "nur" im Schnitt 693 Euro dazu – in Spanien hingegen ist der Betrag mit 1.882 Euro fast dreimal so hoch und nach der Schweiz der zweithöchste in Europa.

Die Kluft wird größer

Dass sehr wenige Eltern ihren Kindern sehr viel dazuzahlen, dürfte im Falle von Spanien mit der wachsenden sozialen Kluft zu tun haben. In Spanien sind derzeit 56,5 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos - viele könnten ohne elterliche Zuwendungen ihren Alltag gar nicht mehr bestreiten.

4.600 Euro jährlich von Schweizer Eltern

Die höchsten Beträge fließen in der Schweiz von Eltern zu Kindern: Von den eidgenössischen Müttern und Vätern über 50 zahlt zwar nicht einmal jeder vierte (22 Prozent) auf das Konto der Kinder ein: Die überwiesenen Beträge sind mit rund 4.600 Euro pro Jahr und Kind aber europaweit am höchsten.

Die Daten stammen aus dem Wissenschaftsprojekt SHARE (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe), das Daten von 85.000 Menschen aus 19 europäischen Ländern zu Gesundheit, Sozialstatus und Familienstrukturen sammelt. (red, derStandard.at, 18.3.2013)

  • Fast 4.600 Euro zahlen Schweizer Eltern über 50 ihren Kindern jährlich.
    foto: roy mcmahon/corbis

    Fast 4.600 Euro zahlen Schweizer Eltern über 50 ihren Kindern jährlich.

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