Väter und Söhne: Ein prägendes Verhältnis

Ansichtssache21. März 2013, 18:35
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Der deutsche Fotograf Karsten de Riese legt mit "Von Vätern und Söhnen" eine fotografische Langzeitstudie über Männer und ihre Söhne vor. Der Band beeindruckt nicht nur visuell

Ein karger Handschlag. Ein freundliches Schulterklopfen. Ein inniges Umarmen. Wie Männer mit ihren Söhnen umgehen, wie sie sich zu ihnen verhalten, das gibt auch Auskunft darüber, wie sie ihre Identität und Rolle anlegen, als Menschen, als Männer - und eben als Väter. Emotional nah oder voll kühler Distanz, körperlich anwesend oder einfach nie da, als Freund unterstützend, als Vorbild wirkend, als Patriarch drohend oder vom Sohn als Versager gesehen, wie der zu werden es tunlichst zu vermeiden gilt. Wer würde bezweifeln, dass Männer ihre Söhne prägen, auf vielfältige Weise, oft mehr als diesen lieb ist und fast immer ein Leben lang; um nicht zu sagen: lebenslänglich.

Schwarz-Weiß macht Schattierungen sichtbar

Der deutsche Fotograf Karsten de Riese, 1942 geboren, hat mit "Von Vätern und Söhnen" jetzt bei Knesebeck einen beeindruckenden Bildband zum prägenden Verhältnis zwischen Männern gestaltet. Die schwarz-weißen Bilder offenbaren die Schattierungen in der Beziehung zwischen Vater und Sohn, die reduzierten Settings lassen auf Blicke und Berührungen der Männer fokussieren, auf die visuell verdichtete Beziehung zwischen Alt und Jung. Wie gewandet sich der Vater, wie der Sohn? Wer legt wem die Hand auf? Wer sitzt, wer steht und wie viel wortloses Einverständnis wirkt zwischen den beiden? Einige der Aufnahmen erzählen mehr über Nähe und Distanz zwischen Vater und Sohn, als es Text wohl könnte.

Patriarchen und Baseballcaps

De Rieses fotografische Langzeitstudie hat sich über zehn Jahre erstreckt. Die Männer und Burschen vor seiner Linse kommen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen. Das zeigen Kleidung, Hintergrundarrangements und der eingefrorene Habitus des Moments. Und die Namen der Söhne. Es gibt den bürgerlichen Patriarchen im Kreise der wohlgestalteten Nachkommen, die fast ehrfürchtig Distanz zum Vater wahren. Oder den sportlichen Mittdreißiger mit Baseballcap, der sich den kleinen Sohn ganz vertraut auf den Rücken schnallt.

Was hier ist Inszenierung fürs Foto, was unverfälschte Momentaufnahme väterlichen sich Verhaltens zum eigenen Kind? Das zu ermessen ist der Betrachterin und dem Betrachter überlassen. Dass beim Publikum fast unweigerlich persönliche Erfahrungen und Projektionen zur Beziehung zwischen Vater und Sohn in den Blick kommen, macht die Bilder so stark.

Das Eigene im anderen

Zwischen 1982 und 1989 hat sich de Riese in einem fotografischen Großprojekt der deutsch-deutschen Grenze gewidmet. Nähe und Distanz, verbindende Grenzen und das Eigene im anderen - das sind auch die Themen dieses wunderschönen Bildbands, dem ein Essay des Journalisten Rainer Stephan vorangestellt ist. (Lisa Mayr, derStandard.at, 21.3.2013)

Eine Ansichtssache mit einigen Fotos aus "Von Vätern und Söhnen"

Bild 1 von 10
foto: karsten de riese/knesebeck verlag

Seite 138

Geseko von Lüpke mit Jonas.

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