Straßenkarten zum Selberbasteln

18. März 2013, 13:07
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Wer heute durch eine Stadt navigiert hat meistens den Finger am Display. Eine dänische Non-Profi-Organisation lässt vergangene, analoge Zeiten aufleben

Reisen bedeuten Hightech. Smartphone, ebook, iPad, Tablett, GPS und bald schon Google-Glass begleiten Touristen auf Schritt und Tritt. Die kleinen Helfer führen Touristen zu Restaurants, Sehenswürdigkeiten, ermöglichen noch am Weg zum Hotel eine schnelle Buchung oder den Kauf eines U-Bahn-Tickets.

Wer plagt sich heute noch mit kunstvoll gefalteten Straßenkarten herum, die nach erstmaligem Öffnen nie wieder in die ursprüngliche Position gefaltet werden können? Die alten Wegweiser und Helfer haben ihre besten Tage hinter sich gelassen, kaum noch jemand begibt sich etwa mit einem analogen Autoatlas auf die Reise.

Eine dänische Non-Profit-Organisation namens "Use It" steuert dem digitalen Trend bewusst entgegen und stellt richtige Straßenkarten auf ihre Webseite. Die Karten sind sehr aufwändig und liebevoll gestaltet, es gibt sie inzwischen für 23 Städte in 14 Ländern Europas und weitere sollen folgen. Zielgruppe sind junge Reisende, die auf der Suche nach Orten abseits der angesagtesten Bars, hippsten Shops und coolsten Hotels sind.

Drucker und Klebeband

Doch bevor man sich mit den analogen Reisebegleitern auf Erkundungstour begeben kann heißt es basteln. Die Karten müssen ausgedruckt und anschließend zusammen geklebt werden. Was man dann in Händen hält ist allerdings ein kleines Kunstwerk mit aufwändigen Grafiken und informativen Texten. Dazu gibt es Pläne der öffentlichen Verkehrsmittel, Infokästen und übersichtliche Listen mit ausgewählten Tipps speziell für junge Reisende.

In Wien beispielsweise kann man sich dann auf die Suche nach dem besten Falafel der Stadt machen oder erfährt, dass der Karlsplatz nicht nur den Rahmen für eine der schönsten Kirchen der Stadt bildet, sondern auch einmal der Lieblingstreffpunkt der Junkie-Szene war.

Dazu gibt's noch einige wertvolle Tipps, was man tun muss, um sich wie ein authentischer Wiener zu benehmen: grantig sein, über Stunden im Kaffeehaus sitzen, Spritzer trinken, im Lokal rauchen, nur ja keine Sachertorte essen und mit dem Fahrrad fahren zum Beispiel.

Karten gibt es unter anderem auch für Bratislava, Oslo, Porto, Prag oder Warschau. Für Innsbruck ist gerade eine Karte in Arbeit. (red, derStandard.at, 18.3.2013)

Informationen: Use It

  • Wer mit dem Grant der Kellner umgehen kann, benimmt sich wie ein echter Wiener.

    Wer mit dem Grant der Kellner umgehen kann, benimmt sich wie ein echter Wiener.

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