Mikrochip im Cremetiegel

18. März 2013, 16:57
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Brandneu ist Kosmetik für Kontrollfreaks. Die französische Kosmetikmarke Ioma will, dass man die Wirkung einer Creme nicht nur fühlen, sondern permanent messen kann

Das französische Wort für Flöhe ist "puces". Jean Michel Karam, Gründer des Kosmetiklabels Ioma, spricht sehr viel über "puces", weil er viel und gerne über Cremen spricht. Und irgendwie könnte das alles ein riesiges Missverständnis sein, würde es einem nicht plötzlich einfallen, dass die Franzosen für alles Technische immer auch ein eigenes französisches Wort brauchen. Puce heißt nicht nur Floh, sondern eben auch Mikrochip, und sie sind seit vielen Jahren Jean-Michel Karams Kerngeschäft. Seine Flöhe heißen Mems und sie "messen und reagieren " auf äußere Umweltveränderungen – etwa im Flugzeug: Wenn der Druck in der Kabine sinkt, fallen Sauerstoffmasken von der Decke.

"Wir haben neue Einsatzbereiche für unsere Mems gesucht und die Kosmetik entdeckt", sagt er ganz lapidar. Ioma heißt die Kosmetiklinie, die eine neue Ära in der  Kosmetikindustrie einläuten soll. Mit Mikrochips ausgestattete Maschinen messen in der Parfümerie die Haut und ihre etwaigen Defizite, dementsprechend wird dann eine maßgeschneiderte Creme gemixt. "Wir sind euphorisch aber skeptisch in den Markt gegangen, Ioma hat sich jedoch in kürzester Zeit in unsere Top Ten katapultiert", sagt Marionnaud-Geschäftsführer Martin Graber. Nur das reicht Ioma-Boss Karam nicht, er will sein Konzept weiter ausbauen. Nun hat er einen Mikrochip direkt in den Deckel einer Creme gepackt. Damit kann jede Frau jeden Tag messen, wie es um ihre Hautdurchfeuchtung und damit um die jugendliche Ausstrahlung bestellt ist. Im besten Fall werden die Messwerte Anwendung für Anwendung besser.

Chip im Deckel

Konkret sieht das so aus: Die Mems-Technologie steckt im Cremedeckel, bei der ersten Anwendung wird die Funktion mittels kleinem Schalter aktiviert. Dann muss der Deckel gegen die Wange gedrückt werden. Man wartet drei vier Sekunden - und plötzlich leuchten kleine rote LED-Lämpchen auf der Seite des Deckels auf. Wenn sechs von sechs leuchten, heißt es: Die Haut ist in einem guten Zustand, einmal Eincremen pro Tag reicht. Allein: Wenn die Haut dem Microchip signalisiert, dass sie trocken ist – dann leuchtet nur eines oder vielleicht gerade einmal zwei Lämpchen auf. Dann ist Feuer am Dach, ein Hilfeschrei. Cremen ist dann die Devise. "Unser bester Kunde wohnt in Beverly Hills. Er gibt 18.000 Dollar im Jahr für unsere Pflege aus," sagt Karam, wie er das mache und wie es um dessen Haut bestellt ist, das wisse er leider auch nicht so genau.

Nach 400-mal Messen ist Schluss

Iomas Youth Booster ist vom Konzept her simpel, Voraussetzung ist die tägliche Messung an der immer gleichen Stelle - am besten am Wangenknochen. "Es ist kein Gadget, sondern Cosmetology", sagt Karam vollmundig und will den Beweis antreten, indem er seine Kundinnen selbst beurteilen lässt, wie der von seinen Forschern entwickelte Wirkstoff "Résistem" die mit den Jahren schwächelnden Keratinocyten wieder ankurbelt. Auf Parabene und Silikone hat Ioma bewusst verzichtet, dafür die Creme durch das Pumpflakon sicher vor Bakterien gemacht.

Das Fläschchen reicht durchschnittlich zwei Monate, insgesamt sind 400 Hautmessungen möglich, dann wird das System nämlich automatisch blockiert, auch diese Funktionen hat der geschäftstüchtige Karam in den Chip eingebaut. Viel lieber als davon spricht der hochgewachsene Franzose mit libanesischen Wurzeln aber von den vielen "Me-Moments" (Ich-Momente), zu denen er seinen Kundinnen verhelfen will. Eine Portion Kontrolllust müssen Kosmetik-Gläubige nämlich schon aufbringen, damit sie den Effekt auch tatsächlich genießen können. Zum Preis von 138 Euro für 50 Milliliter. Iomas Youth Booster ist ab sofort in Marionnaud-Filialen erhältlich. (Karin Pollack, derStandard.at, 18.3.2013)

  • Creme für Kontroll-Freaks: Ioma Youth Booster mit Mikrochip im Deckel.
    foto: ioama

    Creme für Kontroll-Freaks: Ioma Youth Booster mit Mikrochip im Deckel.

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