Ex-Monte Paschi-Manager wegen Formfehlers frei

17. März 2013, 19:09
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Baldassarri wird verdächtigt, die Aufsichtsbehörden über ein geheimes Derivategeschäft getäuscht zu haben

Mailand - Der vor einem Monat verhaftete frühere Chef der Finanzabteilung der skandalgeschüttelten italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena, Gianluca Baldassarri, ist wieder frei. Der Manager konnte am Samstagnachmittag wegen eines Formfehlers die Strafanstalt von Florenz verlassen, in der er sich seit seiner Festnahme am 14. Februar befand. Baldassarri ist der erste Manager, der im Soge des Skandals um intransparente Derivatengeschäfte bei der toskanischen Bank hinter Gitter gelandet war.

Staatsanwälte beantragen erneut Verhaftung

Die Staatsanwälte von Siena, die im Skandal ermitteln, beantragten eine neue Verhaftung des Managers. Ihrer Ansicht nach bestehe Fluchtgefahr, wie italienische Medien am Sonntag berichteten. Baldassarri steht unter Verdacht, die Aufsichtsbehörden über ein geheimes Derivategeschäft getäuscht zu haben, dessen Vertrag das neue Management nach eigener Auskunft erst im Oktober in einem Safe gefunden.

Baldassarri arbeitete von 2001 bis 2012 bei Monte Paschi. Er führte die Finanzabteilung, die im Zentrum der Betrugsermittlungen steht, und verließ die Bank kurz nach Amtsantritt des derzeitigen Konzernchefs Fabrizio Viola im Jänner 2012.

Auch andere Ex-Manager der drittgrößten Bank Italiens sind im Visier der Behörden. Justizkreisen zufolge laufen wegen derselben Verdachtsmomente Untersuchungen gegen den früheren Verwaltungsratschef Giuseppe Mussari und den ehemaligen Generaldirektor Antonio Vigni. Gegen die beiden Manager gibt es bereits Ermittlungen wegen anderer Vorwürfe.

Korruptionsverdacht

Die Fahnder vermuten Korruption bei der Übernahme des kleineren Konkurrenten Antonveneta im Jahr 2007 und prüfen zudem eine Reihe von Derivate- und anderen Handelsgeschäften, die nach jüngsten Angaben von Monte Paschi zu Verlusten von 730 Millionen Euro führten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass diese Deals dazu dienten, die Bilanzen zu schönen und die Verluste aus dem neun Milliarden Euro schweren Zukauf zu verbergen, der als zu teuer kritisiert wurde und die älteste Bank der Welt in der Finanzkrise in die Bredouille brachte. Auch das aktuelle Management und die als Aufsicht fungierende Notenbank werfen der alten Führung vor, Details der Derivate-Geschäfte verschleiert zu haben. (APA, 17.3.2013)

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