Pietro Grasso - Vom Mafia-Jäger zum Präsidenten des Senats

Kopf des Tages17. März 2013, 18:23
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Auf die für das Amt vorgesehene Polizeieskorte kann Pietro Grasso verzichten: Schwer bewaffnete Polizisten begleiten ihn ohnehin schon seit Jahren auf Schritt und Tritt.

Am Samstag um sechs Uhr früh wurde der Chef der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft durch einen Anruf geweckt. "Du bist unser Kandidat für das Amt des Senatspräsidenten", kündigte der Chef des Partito Democratico dem Verdutzten an. "Wir gehen davon aus, dass du annimmst", so Pier Luigi Bersani. Und weil Grasso schon immer ein Diener des Staates war, ging er das Risiko einer Niederlage ein - und siegte.

Grasso war in seiner Jugend ein begeisterter Fußballer. Dreimal wöchentlich trainierte er - bis ihn sein Vater vor die Wahl stellte: " Wenn du Fußballer werden willst, gib das Studium auf. Wenn du studieren willst, lass den Fußball bleiben."

Dass er Richter werden wollte, wusste der heute 66-Jährige bereits als Schüler. Seine Laufbahn begann der Jurist aus Palermo als Bezirksrichter in der Kleinstadt Barrafranca. Als Staatsanwalt in Palermo ermittelte er 1980 zum Mord am sizilianischen Regionalpräsidenten Piersanti Mattarella.

Grasso, seit 1970 verheiratet und Vater eines Sohnes, seit kurzem auch Großvater, stellte fortan sein Leben in den Dienst des Kampfes gegen die Mafia und wurde zum Freund und Mitarbeiter des später ermordeten Mafia-Jägers Giovanni Falcone. Er gehörte zu jenen, die 1987 den Monsterprozess gegen die Mafia mit 475 Angeklagten führten.

2000 wurde er zum Oberstaatsanwalt von Palermo befördert, wo unter seiner Führung in vier Jahren 1780 Personen verhaftet wurden. 2005 stieg Grasso zum Chef der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft in Rom auf. Auch Grassos Sohn steht als Vizechef der Kriminalpolizei von Padua im Dienst der Verbrechensbekämpfung.

Grasso, der bereits zwei Anschlägen entgangen ist, wurde am Samstag zum Senatspräsidenten gewählt und nutzte die Gelegenheit, eine "radikale Kurskorrektur im Interesse der Bürger" zu fordern. Seinen Sieg in der Stichwahl verdankt Grasso den sizilianischen Senatoren der Fünf-Sterne-Bewegung, die sich Beppe Grillos Weisung widersetzten, weiße Stimmzettel abzugeben.

Seine größte Genugtuung erfuhr er jedoch außerhalb des altehrwürdigen Palazzo Madama: "Beim Verlassen des Senats wurde ich von einer großen Menschenmenge mit Applaus und Zurufen begrüßt. Ich sehe es als meine Pflicht, ihre Hoffnungen nicht zu enttäuschen." (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 18.3.2013)

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    Pietro Grasso will die Italiener "nicht enttäuschen".

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