Mein Antisemit - dein Antisemit?

Kommentar der anderen15. März 2013, 21:19
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Die Zusammenschau der Beiträge über Kunschak und Renner macht deutlich, dass Adolf Hitler die teils relativ neuen, teils jahrhundertealten komplexen Stränge des Antisemitismus lediglich zusammenzufassen brauchte. Im Konflikt Arbeiterbewegung versus Großindustrie/Banken befanden sich Juden auf beiden Seiten in bestimmenden Positionen.

Der Neid der christlichen Handwerker und Kleinunternehmer auf die oft erfolgreicheren jüdischen Mitbewerber, jener der etablierten christlichen Wissenschafter auf ihre von über Jahrhunderte hindurch aufgestauter Kompensationsenergie befeuerten, eben erst zum Universitätsstudium zugelassenen und aufgrund ihres hochinnovativen Impetus viel öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehenden jüdischen Kollegen, der religiös motivierte Antisemitismus der Christlichsozialen und der pseudowissenschaftlich verbrämte, die gebildeten Schichten erfassende Rassenantisemitismus schufen ein tödliches antisemitisches " Gesamtkunstwerk".

Wie kann man Ähnliches heute rechtzeitig erkennen und verhindern? Beiträge wie jene über Kunschak und Renner machen im konstruktiven Sinn betroffen. (Ernst Smole, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

Ernst Smole, Leiter des Internationalen Forums für Bildung, Wissenschaft & Kunst in Wien

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