Luxus zieht Italiens Steuerfahnder an

15. März 2013, 18:23
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Einen Luxusschuppen nach dem anderen nehmen italienische Steuerfahnder auseinander. Nun ist das Luxusimperium von Bulgari dran

Bei Italiens Steuerfahndern geht es Schlag auf Schlag. Wenige Monate nach dem Steuerskandal um Modefamilie Marzotto samt "steuerfreiem" Verkauf ihrer Luxustochter Valentino an den britischen Fonds Permira und kaum ein Jahr nachdem das Mailänder Luxusimperium Dolce & Gabbana ins Visier der Fahnder kam, ist Nobeljuwelier Bulgari an der Reihe. Die Brüder Paolo und Nicola Bulgari, ehemals Präsident und Vize des Luxusschuppens, sollen bis zu drei Milliarden Euro an Erträgen an der Steuer vorbeigeschleust haben. Die römische Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der mutmaßliche Steuerbetrug geht auf die Jahre 2006 bis 2011 zurück. Vor zwei Jahren wurde Bulgari mittels Aktientausches an den französischen Luxuskonzern LVMH Moët Henessy abgegeben. Familie Bulgari wurde so zum Aktionär des französischen Modeimperiums. "Uns interessiert nicht, was Bulgari vor der Übernahme machte" wiegelt man im Pariser Hauptquartier ab. Kein Wunder, dass hier der Steuerbetrug auf die leichte Schulter genommen wird. Schließlich wollte LVMH-Präsident und -Großaktionär Bernard Arnault - nach der Einführung der Vermögenssteuer für Superreiche in Frankreich - sein Land verlassen. Er beantragte die belgische Staatsbürgerschaft, die ihm prompt verweigert wurde.

Denn die Steuerpolizei hatte bereits die Bulgari-Luxusboutique und den Firmensitz in der römischen Nobeleinkaufsstraße Via dei Condotti 10 konfisziert sowie die Privatvilla der Familie, diverse Luxusimmobilien, Gold und Wertpapiere im Wert von 46 Millionen Euro beschlagnahmt.

Systematisch Steuer hinterzogen

Die ehemalige Führungsriege von Bulgari, die beiden Brüder sowie der Cousin und einstige CEO des Luxusunternehmens Francesco Trapani sollen von 2006 bis 2011 "systematisch" Steuern hinterzogen haben. Dies gehe aus den von der Steuerpolizei beschlagnahmten neunseitigen Unterlagen mit der Überschrift "Escape Strategy" hervor, die im Römer Firmensitz gefunden wurden.

Mittels Tochtergesellschaften in der Schweiz, den Niederlanden und Irland habe das Unternehmen vorgetäuscht, dass die Gewinne im Ausland und nicht in Italien erzielt wurden. Es besteht nun der Verdacht, dass auf diese Weise wesentlich weniger Steuern als nötig bezahlt wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass die irische Tochter Bulgari Ireland Ltd (Beire) eigens zwecks Steuerhinterziehung gegründet worden sein soll. Denn Beire hatte keine andere Tätigkeit, als im Ausland produzierte Luxuswaren weiterzuvermitteln und dafür weniger Steuern als in Italien zu zahlen. Bulgari weist den Vorwurf der Steuerhinterziehung zurück, die Unternehmen im Ausland seien keine Briefkästen sondern echte Niederlassungen mit strategischer Bedeutung. Staatsanwalt Pierfilippo Laviani hält sich weitere Maßnahmen vor, um den angeblichen Steuerbetrug aufzudecken.

Laut Finanzbehörden sollen bei Bulgari auch die Umsätze der Auslandstöchter gefälscht worden sein. Zum Imperium zählen inzwischen auch Accessoires. Mit einer weltweiten Hotelkette, etwa mit Superluxushotels auf Bali (Indonesien) und in Mailand, sowie mit einer neuen Nobel-Weinkellerei in Siena versuchen die Bulgaris zu diversifizieren. Die Erfahrung ihrer Vorgänger, der mutmaßlichen Steuersünder Marzotto und Dolce & Gabbana haben gezeigt, dass Jahre vergehen, bis in Italien entsprechende Steuerbetrüge auch prozessiert werden. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 16.3.2013)

  • Der Bulgari-Store samt Firmensitz in der Nobeleinkaufsmeile Via dei Condotti in Rom wurde von den Finanzbehörden beschlagnahmt. Man sucht drei Millionen Euro.
    foto: epa/percossi

    Der Bulgari-Store samt Firmensitz in der Nobeleinkaufsmeile Via dei Condotti in Rom wurde von den Finanzbehörden beschlagnahmt. Man sucht drei Millionen Euro.

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