Sportzentren in Wien: Ein Packerl mit Mascherl

15. März 2013, 19:15
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Das Leichtathletikzentrum, das Bürgermeister Michael Häupl in Wien errichten lässt, steht bereits

Wien - Bauschritt eins - Sanierung einer Laufbahn. Bauschritt zwei - Sanierung einer kleinen Tribüne und eines Garderobentrakts. Das dürfte in dem Packerl stecken, das der Wiener Bürgermeister Michael Häupl anlässlich der Absage Olympischer Spiele in Wien mit "Errichtung eines Leichtathletikzentrums" aufgemascherlt hat. Das "Zentrum", das auch Sportstadtrat Christian Oxonitsch dem STANDARD bestätigte, ist nämlich längst vorhanden, es liegt im Prater auf dem Areal des Vienna Cricket and Football Club. Längst heißt, dass die LA-Anlage auf Cricket vor mehr als 35 Jahren errichtet wurde - 1978 lief der berühmte Kenianer Henry Rono hier einen Weltrekord über 10.000 Meter (27:22,47 Minuten).

Kaum Investition

Seit damals wurde in die Anlage kaum investiert, es ist derzeit kaum denkbar, dort Wettbewerbe abzuhalten, Baumwurzeln haben die Laufbahn an mehreren Stellen gehoben. Selbst die Renovierung wird nichts daran ändern, dass man weitgehend mit sechs Bahnen auskommen muss. Das würde für österreichische Meisterschaften reichen, für internationale Bewerbe nicht.

Seit 13 Jahren ist es nicht möglich gewesen, heimische LA-Titelkämpfe in Wien abzuhalten, das sagt schon einiges aus. 2015 könnte sich das geändert haben. Bis dahin dürften auch die Garderobe und die kleine Tribüne auf dem Dach des Garderobengebäudes hergerichtet sein. Immerhin für den Sprint gehen sich acht Bahnen aus, wenn man auf einer der beiden Geraden innen zwei Bahnen dazulegt.

Reale Chancen auf Leistungszentrum

Hannes Gruber, Sportdirektor des LA-Verbands (ÖLV), sieht die Voraussetzungen für ein Leistungszentrum fast schon gegeben. Die MA 51 habe die Laufbahn-Sanierung bereits bewilligt, diese soll noch heuer oder spätestens im Frühjahr 2014 erfolgen. Laut Gruber werde der Wiener Verband (WLV) mit Cricket kooperieren, es zeichne sich eine "Ideallösung" ab. Wobei sich mittlerweile im Prater recht viele Vereine und Verbände drängeln, so hat sich in der Cricket-Nachbarschaft die Sportunion angesiedelt. Auf dem dortigen Grund zog die Fällung dutzender Bäume heftige Proteste nach sich, Pläne zur Errichtung zweier Rugbyfelder wurden wieder verworfen.

Der WLV hat seine Büroräume im Happelstadion, von dort sind es Katzensprünge zu Cricket und zum Dusikastadion, in dem die Leichtathleten im Winter üben, neben Radfahrern und Turnern. "Ich habe das Gefühl", sagt ÖLV-Sportdirektor Gruber, "dass sich die Stadt vermehrt mit Spitzensport auseinandersetzt und auf die Bedürfnisse der Verbände eingeht." Gruber geht davon aus, dass sich auch die Trainingsbedingungen im Winter auf Sicht verbessern lassen werden.

Gegenwehr bei Schwimmzentrum möglich

Auf größere Gegenwehr könnte die Errichtung des ebenfalls von Häupl angekündigten Schwimmzentrums im Stadionbad stoßen. Gerüchten zufolge wird daran gedacht, einfach das große Sportbecken dauerhaft zu überdachen. Damit müssten sich die Badegäste auf die übrigen Becken verteilen. Wird doch eine eigene Halle mit einem neuen Becken gebaut, so büßt das Stadionbad an Liegefläche ein. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

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