ÖVAG versilbert nun auch Bankgebäude

16. März 2013, 10:56
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Bank muss schrumpfen – Sberbank will breitere Banklizenz

Wien – In der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG; sie musste vor einem Jahr teilverstaatlicht werden) wird weiter aufgeräumt. Die Bank, die mehrheitlich den "kleinen" Volksbanken und zu 43,3 Prozent dem Staat gehört, muss massiv schrumpfen – und sie versilbert nun auch ihre Immobilien. So gelangt etwa die Zentrale der mit der ÖVAG fusionierten Investkredit in der Wiener Innenstadt zum Verkauf; zudem jene Gebäude nahe der Währinger Straße in Wien-Alsergrund, in der die Banker bisher untergebracht waren. Nur die neue Konzernzentrale in der Wiener Kolingasse wird nicht verkauft.

Abseits dessen geht es aber auch intern zur Sache. Der neue Vorstand der Bank unter Stephan Koren hat die Personalberater von Korn/Ferry International damit beauftragt, sämtliche Manager der zweiten Führungsebene zu durchleuchten und ihre Arbeit evaluieren zu lassen. Man habe ein transparentes Verfahren aufgesetzt, um diese Manager "gründlich" unter die Lupe zu nehmen, heißt es in der Bank. Die Misserfolgsgeschichte der vergangenen Jahre bedinge, dass man auch die Banker unterhalb des Vorstands (er wurde ja großteils ausgetauscht) auf ihre Fähigkeiten prüfe. Anders ausgedrückt: Man bezweifelt, dass die Fehler, die letztlich in der Teilverstaatlichung des Spitzeninstituts der Volksbanken mündeten, nur auf Ex-Vorstandsmitglieder reduziert werden können.

Justiz ermittelt

Vergangenheitserforschung, die ja auch die Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien betreibt. Sie ermittelt u.a. gegen drei ehemalige ÖVAG-Vorstandsmitglieder wegen des Verdachts der Bilanzfälschung in den Jahren 2009 bis 2011. Die Justiz untersucht auf Basis einer Anzeige von privaten Anlegern, ob Abwertungen zu spät  und unvollständig durchgeführt wurden, die Öffentlichkeit daher falsch über den wahren Zustand der Bank informiert worden ist. Die Anzeiger stützen ihre Argumentation auf ein Gutachten. Gegen den derzeitigen ÖVAG-Vizechef Michael Mendel wird aber, entgegen einer früheren Darstellung der Staatsanwaltschaft, "derzeit nicht ermittelt", so ein Sprecher der Behörde zum STANDARD. Mendel ist 2009 in den ÖVAG-Vorstand gekommen und hat den Schaden in der ÖVAG laut seiner Darstellung "nicht verursacht, sondern ich habe aufgeräumt".

Aufräumen soll auch Rainer Borns. Der ehemalige Vorstandsmanager des Genossenschaftsverbands (ÖGV) wurde in den ÖVAG-Vorstand berufen, um dort die "kleinen" Volksbanken daran zu gewöhnen, dass sie seit der Implementierung des Volksbanken-Haftungsverbunds an der Kandare der ÖVAG liegen. Das Spitzeninstitut kann ihnen nun Weisungen erteilen und gibt ihnen alle Standards vor, etwa die für Risiko- oder interne Kontrolle. Allerdings dürften die Volksbanken recht resistent sein, sie wollen sich der ÖVAG nicht so recht unterwerfen. Genau das löst beim Minderheitsaktionär Bund leise Fragen zur Durchsetzungskraft von Borns aus. In der ÖVAG hält man das für verfehlt, schließlich sei der Verbund erst wenige Monate alt.

Ein Krug ist bislang (noch) an der ÖVAG vorübergegangen: eine Rückforderung von der Sberbank, die die Volksbank International (VBI) gekauft hat und nun der Meinung ist, zu viel dafür bezahlt zu haben. Laut einer Sprecherin sei es "zu früh, über Details zu sprechen". Nicht kommentiert wird das Gerücht, dass die russische Großsparkasse eine Kapitalerhöhung für die VBI plant, die nun als Sberbank Europe AG firmiert.

Die wartet derzeit übrigens darauf, dass die Aufsicht ihre eine erweiterte Banklizenz gibt. Die Sberbank hat die auf bestimmte Geschäfte beschränkte VBI-Banklizenz übernommen – nun will sie de facto eine Vollbanklizenz. Allerdings soll es bei der Einreichung von Dokumenten immer wieder zu Verzögerungen kommen. Das, so ist in der Branche zu hören, soll die Geduld der russischen Banker kräftig strapazieren. (Renate Graber, DER STANDARD; 16.3.2013)

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