Pippi-Langstrumpf-Strategie hoch im Kurs

15. März 2013, 17:39
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Für Kritik war auf der Mipim 2013 wenig Platz. Die meisten Investoren, scheint es, machen sich die Welt so, wie sie ihnen gefällt

Die Immobilienmesse Mipim in Cannes bestätigte heuer wieder einmal ihren Status als weltweiter Branchentreff. 20.000 Teilnehmer konnte der Veranstalter Reed Midem in dieser Woche zählen. Die meisten kamen aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Österreich war mit einem Gemeinschaftsstand von insgesamt 28 Ausstellern vertreten.

Schon traditionell ist die ebenfalls hohe Präsenz Osteuropas. Neben vielen Städten und Regionen, die sich auf der Mipim präsentieren, war die gesamte Spannbreite der Immobilienwirtschaft vertreten: Investoren, Projektentwickler, Architekten, Dienstleister, Berater sowie Banken und andere Finanzierer stellten im Palais des Festivals und den umgebenden Zelten (vornehm Pavillons genannt) aus.

Kein Trend erkennbar

So heterogen sich die Immobilienwirtschaft darstellt, so vielfältig waren auch die Themen im Konferenzprogramm. Ein genereller Trend war dabei nicht erkennbar. Außer vielleicht dieser: Vieles drehte sich um Investitionsstrategien und Finanzierungsfragen. Und so bevorzugen viele Investoren und Investment-Manager nach der bisherigen Fixierung auf "Core-Objekte" mittlerweile auch wieder andere Immobilien, die unter den Begriff "Value-adds" subsumiert werden.

"Wir sehen, dass institutionelle Investoren und Fonds ein großes Interesse an Investments in Kreditportfolien haben", erklärte Michael Kröger, Leiter der internationalen Immobilienfinanzierung bei der in Frankfurt beheimateten Bank Helaba. "Wie sehr diese neuen Anbieter Geschäft finden, wird von der Branche derzeit beobachtet. Das Geschäftspotenzial für Banken ist aber noch immer vorhanden, denn die neuen Finanzierer brauchen gute Konsortialführer."

Türkei im Fokus

Als "Country of Honour" hatte die Mipim dieses Jahr die Türkei ausgewählt. In zahlreichen Präsentationen und Veranstaltungen wurde der Immobilienmarkt in Istanbul sowie in den Großstädten Anatoliens vorgestellt. "Die Mipim bietet allen Teilnehmern die Möglichkeit, den türkischen Immobilienmarkt zu erkunden und die Renditen und Möglichkeiten mit denen anderer Länder zu vergleichen", sagte Turgay Tanes, General Manager des Istanbuler Entwicklers und Investors Is Gyo. Mit ihrer jungen und wachsenden Bevölkerung und ihren guten Wirtschaftsdaten schneide die Türkei nicht schlecht ab.

Komplimente an das Land verteilte auch der für Energie zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger, der ebenfalls zur Mipim angereist war: "Die Türkei ist ein geeigneter Partner für westeuropäische Unternehmen. Die demografischen Daten, das solide Wirtschaftswachstum und die zahlreichen Aktivitäten im Bereich der Infrastruktur eröffnen gute Perspektiven für Kooperationen."

Mit dem Thema Infrastruktur verweist Oettinger auf neue Bereiche, die über das eher traditionelle Engagement in Einkaufszentren hinausgehen. In diesem Marktsegment sind in der Türkei internationale Entwickler wie etwa ECE und Multi Development engagiert, aber auch zahlreiche nationale  Unternehmen. "Die großen Städte in der Türkei faszinieren mich aufgrund ihrer Modernität", meinte ECE-Chef Alexander Otto. "In Istanbul gibt es die spannendsten Shoppingcenter Europas!"

Norden auf dem Radar

Außer der Türkei zogen auch die nordischen Länder mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich. Internationale Investoren haben Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark zunehmend auf dem Radar. Umgekehrt sind die skandinavischen Staats- und Pensionsfonds begehrte internationale Anleger.

Von dort kommt auch ein junges freches Mädchen mit roten Zöpfen, das sich die Welt so macht, wie sie ihr gefällt. Manche Aussteller, vor allem aus Osteuropa und der arabischen Welt, so schien es, haben diese Pippi-Langstrumpf-Strategie längst verinnerlicht. Zuversichtlich stimmt lediglich, dass es sich erst einmal nur um Projektmodelle handelt. (Andreas Schiller aus Cannes, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

  • Immobilienentwicklung im "Country of Honour": Das 18.000 Quadratmeter große Mixed-use-Projekt  "Ege Perla" in Izmir ist eines der Aushängeschilder des türkischen Investors Is Gyo.
    visualisierung: is gyo

    Immobilienentwicklung im "Country of Honour": Das 18.000 Quadratmeter große Mixed-use-Projekt  "Ege Perla" in Izmir ist eines der Aushängeschilder des türkischen Investors Is Gyo.

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