Deutsche Firma lieferte Antibiotika-Putenfleisch nach Österreich

16. März 2013, 16:13
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Verbraucherschutzministerium von Nordrhein-Westfalen fordert Konsequenzen - Keine akute Gesundheitsgefahr

Düsseldorf/Wien - Nach dem Skandal um die Lieferung von tonnenweise Antibiotika-belastetem Putenfleisch aus Rumänien hat das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen Konsequenzen gefordert. Die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner müsse den Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Tiermast verbieten, sagte ein Sprecher des Landes-Verbraucherschutzministers Johannes Remmel (Grüne) am Samstag in Düsseldorf.

Fast 20 Tonnen belastetes Putenfleisch waren aus Rumänien nach Großbritannien sowie in mehrere deutsche Bundesländer, darunter auch nach Nordrhein-Westfalen, geliefert worden. 1.800 Kilogramm waren Mitte Dezember 2012 auch nach Österreich gelangt. Ein Unternehmen aus dem deutschen Münsterland hatte das Fleisch an Kantinenbetreiber und Händler verkauft. 

Keine akute Gesundheitsgefahr

Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) dürfte das Fleisch in drei Lieferungen zu je 600 Kilogramm an ein Unternehmen in Niederösterreich und einen Betrieb in Wien gegangen sein.

Bei der AGES geht man von keiner akuten Gesundheitsgefahr aus. Es handle sich um einen Verstoß gegen die Rückstandsverordnung, hieß es Freitagabend. "Das Fleisch ist nicht in den Handel gekommen. Es war nicht gesundheitsschädlich", sagte ein Sprecher der AGES.

Offenbar dürfte das Fleisch ausschließlich für die Weiterverarbeitung bestimmt gewesen sein. Allerdings besteht der Verdacht, dass durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der Tiermast das Entstehen und das Wachstum von multiresistenten Keimen begünstigt wird. 

Mit Gyrasehemmer belastet

In dem verarbeiteten Fleisch waren die Antibiotika-Werte zum Teil 27 Mal höher als erlaubt. In zwei Eigenkontrollproben sei ein Gehalt von 1.832 Mikrogramm je Kilogramm Fleisch und von 2.771 Mikrogramm je Kilogramm des "Reserve-Antibiotikums Enrofloxacin" festgestellt worden, obwohl eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des rumänischen Exporteurs vorgelegen sei. Bei Enrofloxacin handelt es sich um ein Antibiotikum aus der Klasse der Gyrasehemmer, die gegen bakterielle Infektionen eingesetzt werden.

Die Verwendung in der Geflügelzucht ist in den vergangenen Jahren immer häufiger kritisiert worden. Die deutschen Behörden: "Gemäß EU-Verordnung Nr. 37/2010 ist die Rückstandshöchstmenge für den pharmakologisch wirksamen Stoff Enrofloxacin von 100 Mikrogramm pro Kilogramm in den vorliegenden Proben mehrfach überschritten worden."

Belastungen durch Eigenproben festgestellt

Nach derzeitigen Stand der Ermittlungen hat die Handelsfirma aus Münster im Juni 2012 bei einem rumänischen Lieferanten die etwa 19,5 Tonnen Putenbrust roh bzw. tiefgefroren erworben. Diese Ware wurde direkt an einen Weiterverarbeiter im Kreis Warendorf geliefert.

In dem Betrieb im Kreis Warendorf wurde die Ware unter anderem zu Großpackungen von 2,5 Kilogramm "Putenbrust, gebraten, Tandoori, mariniert, in Streifen" weiterverarbeitet und in mehrere Bundesländer sowie nach Österreich und Großbritannien ausgeliefert. Beliefert wurden Caterer, Zwischenhändler und weitere Großhändler. Der Großteil der Belieferung innerhalb Deutschlands (rund 15 Tonnen) erfolgte nach Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen.

Durch zwei Eigenproben eines Kunden und des Verarbeitungsunternehmens selbst Ende Februar und Anfang März wurden die Belastungen festgestellt und den zuständigen Behörden gemeldet. Eine Sperre der noch vorhandenen Ware beim Unternehmen in Münster erfolgte am 7. März 2013. Ob der rumänische Lieferant noch andere Fleischverarbeiter mit ebenfalls möglicherweise belastetem Putenfleisch in Deutschland beliefert hat, ist derzeit nicht bekannt.

Lieferlisten werden ausgewertet

Laut den deutschen Behörden wurden im Zuge einer EU-Schnellwarnung auch Österreich und Großbritannien über den Sachverhalt informiert. Derzeit werden die Lieferlisten innerhalb Deutschlands ausgewertet. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Ware bereits verbraucht worden ist. (APA, 16.3.2013)

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    Mit Antibiotika kontaminiertes Putenfleisch wurde offenbar aus Rumänien nach Deutschland geliefert. Von dort gelangte es schließlich teilweise auch nach Österreich.

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