14 Geschäfte in Wien überfallen: Räuberische Nachbarn vor Gericht

15. März 2013, 19:36
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Der Erstangeklagte wurde - nicht rechtskräftig - zu acht Jahren Haft verurteilt

Wien - Wegen Nachbarschaftshilfe der besonderen Art sitzen Darko A. und Andreas R. vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Andrea Philipp. Die beiden bisher Unbescholtenen sollen nämlich im Jahr 2012 insgesamt zwölf - teils erfolglose - Raubüberfälle gemeinsam begangen haben, A. werden von Staatsanwalt Stefan Berger noch zwei als Einzeltäter vorgeworfen. Die Beute: knapp 13.000 Euro.

Im Jahr 2006 war man im Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf Tür an Tür gezogen. "Die ersten vier Jahre hatten wir keinen wirklichen Kontakt", erzählt der 30-jährige Erstangeklagte. "Aber dann haben wir uns einmal am Karlsplatz gesehen und sind ins Gespräch gekommen."

Denn beide sind seit Jahren schwer drogenabhängig. Obwohl beide berufstätig sind und A., der monatlich rund 1300 Euro netto verdiente und bei seinen Eltern wohnte, reichte das Geld nicht.

Supermarkt mit Spielzeugpistole überfallen

Das Duo absolvierte also ein Brainstorming, zunächst gebar man die Idee, Zigarettenautomaten aufzubrechen. A. ergriff schließlich die Initiative und überfiel am 13. April mit einer Spielzeugpistole einen nahen Supermarkt.

Von der Beute wurde eine Gaspistole gekauft, dann ging es richtig los. Der 34 Jahre alte R. soll teilweise die Tatorte ausgekundschaftet haben, dann wurden Supermärkte, Trafiken, Apotheken und Tankstellen überfallen. Zuerst im April und Mai, dann wieder im September und Oktober. "Warum gab es diese Pause?", will die Vorsitzende von A. wissen. "So wie wir leben, gibt es keine Regeln, wir machen es heute so und morgen so."

Acht Jahre Haft

Seine Eltern, die im Gerichtssaal sind, versuchten ihn von der Sucht wegzubringen, was manchmal zu Schwierigkeiten führte: "Einmal musste ich aus dem Fenster springen, da sie mich eingesperrt hatten", schildert der Erstangeklagte.

Nachdem das Verfahren gegen R. wegen Einholung eines psychiatrischen Gutachtens ausgeschieden wird und mehr als 20 Zeugen aufgetreten sind, das nicht rechtskräftige Urteil: acht Jahre Haft. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

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