Geld ins Meer schütten

15. März 2013, 17:12
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Die Dialoge haben teilweise traumhaften Charakter; das lässt sich auditiv gut interpretieren

Herr Meisner ist kein Hauswart, auch kein Biologielehrer oder Blumenhändler. Herr Meisner ist Finanztycoon und liegt, obwohl er normalerweise auf einem Luxusanwesen hinter zig Sicherheitsschranken lebt, derzeit als Entführungsopfer betäubt auf einem Operationstisch, wo ihm ein Schnipsel Fleisch zur großen Gelderpressung kurzerhand aus dem Arm herausgeschnitten wurde.

Keine besseren Feinde gibt es derzeit als die ganz großen Finanzkapitalisten, die man einmal so richtig bluten sehen möchte. In Stephan Kaluzas Theaterstück Atlantic Zero, das 2010 in Düsseldorf uraufgeführt wurde, hat der böse Spaß eine besondere, surreale Ebene, als wär es einer dieser Semi-Sci-Fi-Romane von Wladimir Sorokin. Eine Hörspielvariante hat sich dafür geradezu angeboten (WDR, Regie: Martin Heindel, Samstag, 14 Uhr, Ö1).

Denn die Entführer sind unbekannt und unverwundbar (Messerstiche egal); sie gedenken, mit parallelen Entführungen rund 300 Milliarden Dollar aus dem Weltmarkt abzuziehen. Die Dialoge haben teilweise traumhaften Charakter; das lässt sich auditiv gut interpretieren. Auch die anschwellenden Rotorschläge jener Hubschrauber, die das Geld zu guter Letzt über dem Meer abwerfen, vernichten sollen, haben im Radio ihren Effekt. - Ein Hörspiel-Thriller muss man sagen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

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