Teamsport Führung - aber richtig

Gastkommentar18. März 2013, 10:01
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Keiner hat alle Kompetenzen, die komplexe äußere und innere Umfelder verlangen. Aber oft ist auch die Summe der Teamleistungen geringer als die Summe der Einzelleistungen

Viele Top-Führungskräfte haben das Gefühl, dass der Erfolg oder Misserfolg ihrer Organisation alleine auf ihren Schultern liegt. Die Idee, einzelne Führungskräfte könnten "die Dinge im Griff haben", ist nach wie vor weit verbreitet. Die ideale Führungskraft wird immer noch als Superheld gesehen - dieses Bild greift aber schon längst nicht mehr.

Gemeinsam führen statt "einsam an der Spitze" ist die passendere Devise für erfolgreiche Führungsarbeit. Steigende Komplexität innerhalb und außerhalb der Organisation, wenig Zeit für Planung in der Hektik des Tagesgeschäftes, immer kürzere Entscheidungszyklen und kaum vorhersehbare Marktentwicklungen machen es erforderlich, Organisationen als Team zu führen. Keine Einzelperson hat all die Kompetenzen und Erfahrungen, die für erfolgreiche Führung notwendig sind - im Gegensatz zu einem Führungsteam mit einem entsprechenden Portfolio. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass die Leistungen eines Top-Management-Teams einen größeren Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens haben als die Performance eines individuellen CEOs. Sie prägen die erwarteten Verhaltensweisen und legen die Richtung der Unternehmensentwicklung fest.

Summe der Einzelleistungen höher

In der Praxis lässt sich aber oft feststellen, dass die Leistung der meisten Führungsteams in Organisationen geringer ist als die Summe der Einzelleistungen. Dafür gibt es vor allem drei Gründe: Erstens werden oft individuelle Ziele von Führungskräften, aber selten Teamziele definiert und gemessen, was die gemeinsame Arbeit als Management-Team aus dem Fokus rücken lässt. Zweitens ist es ein Irrglaube, dass eine Gruppe von individuellen High-Performern bereits ein leistungsstarkes Team ausmache - dafür braucht es (auch) andere Kompetenzen und Ressourcen. Und es braucht ein gezieltes Arbeiten daran. Drittens sind die Gruppendynamik und Teamkultur in einem Top-Management-Team oft mehr als hinderlich für wirkliche Höchstleistungen.

Kein Unternehmen sollte daher im heutigen komplexen Wirtschaftsumfeld das Risiko dysfunktionaler Führungsteams eingehen, sondern insbesondere dem Top-Management eine möglichst hohe Produktivität ermöglichen. Dies gelingt unter anderem durch die Gestaltung effektiver Entscheidungsprozesse, durch klare Zielsetzungen, eindeutige Verantwortlichkeiten und zielgerichtetes Ressourcenmanagement innerhalb des Führungsteams.

Es gilt aber auch, die Teamkultur positiv zu gestalten: durch vertrauensbasierte Zusammenarbeit und Führung, offene, klare und am Dialog orientierte Kommunikation sowie Wertschätzung für unterschiedliche Sichtweisen von Teammitgliedern.

Daraus ergibt sich auch eine Notwendigkeit, den Fokus von Führungskräfte-Entwicklung zu verändern und stärker in Richtung von Führungsteams auszurichten. Damit diese auch in turbulenten wirtschaftlichen Zeiten nicht ins Schleudern kommen, sondern für Stabilität und Entwicklung im Unternehmen sorgen. (Anna Hundstorfer, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

Anna Hundstorfer ist Managerin bei Deloitte Human Capital.

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www. deloittehumancapital.at

  • Anna Hundstorfer.
    foto: deloitte

    Anna Hundstorfer.

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