Immer dasselbe mit diesen Jungen ...

15. März 2013, 17:06
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Generation Y: Anspruchsvoll wie nie, aufmüpfig wie nie, selbstbewusst wie nie, dadurch in Firmen schwierig zu managen

Die Generation Y wird seit Jahren als Herausforderung für Organisationen, für Führung und Personalmanagement beschrieben. Die Rede ist von den zurzeit 20- bis Anfang 30-Jährigen. Angesichts der ihnen nachgesagten vielen Schwierigkeiten, die sie angeblich machen, erzittern Unternehmen und ändern sich Organisationsformen. So werden zunehmend flexible Arbeitsformen üblich, wird heftig mit Corporate Social Responsibility geworben, ist Vereinbarkeit von Job und Privatleben auf die Verhandlungstische der Arbeitsorganisation geraten.

Denn: Diese Jungen - unter ihnen noch dazu wenige Pretiosen (also Bestausgebildete) - wollen angeblich erstmals alles, und das sofort. Wer sich bei dieser Zuschreibung an Bühnenauftritte von Jim Morrison ("... we want the world and we want it now ...") und Textfragmente aus den 70ern erinnert, liegt gar nicht falsch, erhob das Magazin Fortune im Zuge von Recherchen im eigenen Archiv: Die nächste Generation mit Zugriff zu den zentralen Schalthebeln wird demnach nämlich nicht erstmals solcherart beschrieben und eingeordnet.

Karriere- und Wohlstandsversprechen

Dass diese Jungen heute nicht mehr bereit sind, sich bedingungslos einem Karriere- und Wohlstandsversprechen zu unterwerfen und ihr Leben dem Job ungefragt unterzuordnen, und sowohl in äußeren Fragen (wie der nach Kleidung und Dresscode) als auch inneren Organisationsformen widersprechen, ist ebenso wenig neu wie ihre großen Anliegen: der Wunsch nach Veränderung, verantwortungsvollem Handeln und raschen Konsequenzen. Wenn es ihnen nicht gefällt, dann gehen sie wieder. Wenn man ihre Ideen nicht hört und Abläufe nicht demgemäß abändert, dann nehmen sie ihren Rucksack. Wenn man ihnen von oberster Stelle nicht auf Augenhöhe begegnet und ein unausgesprochener Vertrag sinnstiftender Arbeit glaubwürdig besteht, dann sind sie auch weg.

Sie wollen alles jetzt: maximale Leistung bringen, schnell maximale Gage und gleichzeitig maximalen Gestaltungsspielraum und genügend Zeit für ihre Interessen - und Letztere sollen Firmen nicht stören, sondern als karriereförderlich gelten. Plus: Ein bisschen Anerkennung reicht nicht, sie wollen Sichtbarkeit - sofort.

Mangelndes Benehmen

Ein Extrakt der Managementliteratur von 2013? Ja. Und gleichzeitig eines aus dem Jahr 1971. Denn damals schrieb Judson Gooding im Magazin Fortune Selbiges über die junge Generation auf dem Weg ins Management. Er nannte diese Gruppe damals "The Accelerated Generation", weil sie alles sofort wollte und ein großer Veränderungstreiber war. "Frühe, am besten sofortige Übernahme von Verantwortung" ordnete er vor 40 Jahren diesen Jungen als Wunsch zu, ebenso wie Mitbestimmung im Unternehmen. Ebendas jagt auch heute den Etablierten Angst ein und führt zu einer Menge Zuordnungen wie "nicht wirklich leistungsbereit, illoyal, unverlässlich" etc. Dass Personalmanager heutzutage über mangelndes Benehmen dieser Jungen jammern und oft einen angepassten Bekleidungsstil vermissen, scheint ebenso ein Zeichen der Generationenprobleme zu sein, denn das war vor 40 Jahren auch schon so, ergibt sich aus der Nachlese im Archiv.

Die hohen Ansprüche an Selbstbestimmung lesen sich 1971 so: "Wir haben keine Anwesenheitszeit, es geht um den Output, und die Arbeit soll gemacht werden. Ich rasiere mich einmal die Woche, und wenn es heiß ist, dann trage ich ein T-Shirt", gab da ein sogenannter Corporate Drop-out, also einer, der die Konzernwelt verlassen hat und sich mit einer Bürogemeinschaft zusammengetan hat, zu Protokoll.

Und schon damals mahnte man die Unternehmen, sie mögen den Jungen, Talentierten, Gutausgebildeten mehr Freiheiten einräumen und sich ihrer unternehmerischen Verantwortung in Sachen Umwelt und Gesellschaft bewusst werden, weil sie sonst eine ganze Generation an Jungen verlieren würden. Genau diese damals so Jungen gehören heute zu den älteren Babyboomern, die gerade aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind oder ausscheiden, und sich offenbar mit dem Bild der Nachrückenden nur sehr schwer anfreunden können.

Was ist also passiert?

Natürlich unterscheiden sich die Umstände von jenen vor 40 Jahren - nicht nur bezüglich der demografischen Kurve, auch in Hinsicht auf die technologischen Möglichkeiten und die Teilhabe an höherer Bildung sowie die breitere Akzeptanz multidimensionaler Krisen.

Was aber bleibt: Junge sind überzeugt davon, dass sie ganz anders sind als Ältere und Alte - und umgekehrt. Der Zugang zu sich selbst, zu den Themen der Arbeit und des Lebens ändert sich ganz offensichtlich über die Lebensjahrzehnte, und irgendwann hören ganze Kohorten älter Gewordener auf, zu glauben, sie könnten die Welt verändern. Oder sie ändern ihre Strategie und gehen es anders an. (Karin Bauer, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

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    Es grüßt das Murmeltier: Auch vor 40 Jahren wurde der jungen Generation zugeordnet, was heute Personalchefs vor der sogenannten Generation Y erzittern lässt.

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