Initiativen für "Mütter zurück in den Job"

15. März 2013, 17:09
7 Postings

Gehen Frauen vom Job zur Familiengründung über, geht mit ihnen ein beträchtlicher Teil an Know-how und Arbeitskraft

Einzelvorstöße und Bemühungen, Mütter wieder ins Unternehmen zurückzuholen, gab und gibt es quer durch die Branchen. Flächendeckende Initiativen werden mehr. Das allgemeine Bewusstsein, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie unmöglich allein auf dem Rücken der Mütter auszutragen ist, steigt zunehmend. Mittlerweile wird aber nicht nur über die fehlende Workforce gesprochen, wenn Frauen sich in die Karenz begeben, sondern über den erheblichen Verlust an Know-how, wenn diese Frauen den Unternehmen für länger oder ganz fernbleiben.

Rein volkswirtschaftlich betrachtet kann nicht mehr auf die Arbeitskraft der Frauen und eben auch Mütter verzichtet werden. Und je höher der intellektuelle Anspruch an den Job, umso stärker die Notwendigkeit, als Unternehmen diesbezüglich aktiver zu werden. Belegt wird das durch zahlreiche Studien - etwa von großen Beratungshäusern wie McKinsey, der Boston Consulting Group oder Bain. Oder: Eine Studie des Rutgers University's Center for Women and Work, die eine Befragung unter den Anwältinnen mit Kindern in New Jersey durchgeführt hatte, kam zu dem Ergebnis, dass 29 Prozent der Befragten wegen Vereinbarkeitsproblemen nicht mehr zurück ins Unternehmen kamen. Das Problem des Braindrain ergibt sich daraus, dass die Mehrheit der Frauen sich während, kurz vor oder nach dem ersten großen Karriereschritt in die Mutterschaft verabschieden. Berechtigt ist also die Frage der Studienautoren: Wer kann sich das denn leisten?

Notwendige Maßnahmen

Nicht zuletzt deshalb sollte ein genauerer Blick auf die Bedürfnisse von Frauen mit Kindern im Job geworfen werden. Wobei der Wiedereinstieg das geringste Problem darzustellen scheint. Das ergab eine Market-Studie, die von der Oberbank in Auftrag gegeben wurde und für die 400 Frauen mit Kindern befragt wurden. Nur 18 Prozent der Befragten erlebten diesen als schwierig; etwas höher ist dieser Wert bei Alleinerzieherinnen. Schwierigkeiten ergaben sich dann bei der fortlaufenden Kinderbetreuung (30 Prozent der Befragten waren Mütter in Voll- und Teilzeitbeschäftigung bzw. 43 Prozent Alleinerzieherinnen). Diese gipfelten, so die Studie weiter, in der fehlenden Betreuung bei Krankheit, in fehlender Nachmittagsbetreuung und in der Unsicherheit, ob man pünktlich von der Arbeit wegkommt. Unterstützende Maßnahmen seitens der Unternehmen werden ausdrücklich gewünscht, so die Studienautoren, sie werden zum Teil auch klar als Voraussetzung zur Unterstützung von Karrieremöglichkeiten und Wiedereinstieg angesehen.

Einmal mehr sei eine Grundvoraussetzung ein "identes Gehaltsschema für Frau und Mann - gleiche Leistung ist mit gleichem Gehalt abzugelten, unabhängig des jeweiligen Geschlechts", heißt es. Und gefordert wird das von 81 Prozent der Befragten (siehe dazu auch Grafik). Gefolgt wird dies von Forderungen nach Teilzeitmöglichkeiten, Versorgungsmöglichkeiten für die Kinder im Unternehmen oder in deren Nähe, freier Zeiteinteilung sowie geregelten Arbeitszeiten ohne anfallende Überstunden in den "top five".

Das Interesse an Heimarbeitsplätzen ist wichtig und dennoch überraschenderweise eher geringer ausgefallen. Hier müsse wohl der Fokus auf den sozialen Aspekt des Wiedereinstiegs gelegt werden, der neben dem finanziellen Anreiz verständlich sei. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 16./17.3.2013)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.