Spiele-PC, du hast mich wieder

Blog16. März 2013, 10:00
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Weshalb ich mich dem PC-Gaming wieder zugewandt habe und sich dennoch vieles ändern muss.

Gerade einmal drei Monate und 470 Kommentare lang bin ich meinem Kurs treu geblieben. Nachdem ich mich im Dezember offiziell (und inoffiziell sehr viel länger schon) von meinem privaten Spiele-PC abgewandt hatte, wurde ich vergangenen Dienstag in einem tagelang geplanten Kaufrausch rückfällig. Aufgeregt wie ein Junkie drapierte ich meinen Schreibtisch mit den Zutaten meiner neu entfachten Leidenschaft. Nach einer gefühlten Ewigkeit des vorsichtigen, aber durch und durch genussvollen Auspackens und Zusammenbauens, drückte ich auf den kühlen Einschaltknopf meines viel zu lange verschmähten, zu 100 Prozent aus reinem Aluminium gefertigten Towers und lauschte den 120-Millimeter-Lüftern, wie sie meine neue Hardware mit frischer Luft durchfluteten.

Lego für Nerds

Schon beim Öffnen der Prozessorhalterung des Mainboards und dem anschließend vorsichtigen Einlegens der CPU fragte ich mich, wie ich jemals ernsthaft in Erwägung ziehen konnte, auf dieses "Lego für Nerds" zu verzichten. Und mehr als das: Wie konnte ich diese Lust an der Konfiguration, an der Vorfreude beim Zusammenstellen im Internet und am grinsenden Abholen der einzelnen Komponenten im Geschäft auch nur einen Tag lang verschmähen?

Ich weiß es nicht.

Zu viele Argumente

Schlimmer noch, beinahe hätte ich aus Zorn über mühselige Spieledienste, Online-Zwänge und restriktive Kopierschutzsysteme auf den Genuss aktueller und kommender virtueller Geniestreiche verzichtet. Von den köstlichen Früchten der Indie-Szene bis zu den großen Strategiespielen gibt es einfach zu viele Pflichtwerke, die man nicht missen darf und für die es keine bessere Plattform gibt.

Spiele-PC, du hast mich wieder.

Perfektes Zusammenspiel

Das erste Spiel, das ich in mein altgedientes DVD-Laufwerk einlegte, war allerdings kein Indie-Hit. Es ist ein Spiel, das für mich sowohl viele positive, als auch sehr viele negative Seiten des PC-Gamings vereint. Ein Spiel, das die Installation und Anmeldung eines eigenen Online-Dienstes erfordert, das auf ein restriktives Kopierschutzsystem setzt und zum Start noch schwer "verbugt" ist. Gleichzeitig ist es die pure Freude, einen Titel wie diesen auf einem hochauflösenden PC-Monitor mit einer präzisen Maus zu spielen. Das Zusammenwirken aus Software und Technik wirkt so perfekt, dass eine Kombination mit einer Konsole oder einem Tablet etwa undenkbar erscheint.

Die Rede ist von "SimCity".

Am Ball bleiben

Doch die Kommentare - Ihre Kommentare - zu einigen meiner vergangenen Blogeinträge haben mich überdies sehr darin bekräftigt, auch diesen meiner Meinung nach teils konsumentenfeindlichen Spielediensten offen zu begegnen. Ich hatte dazu aufgerufen, Spiele am besten nicht zu kaufen, wenn man mit den dazugehörigen Restriktionen nicht einverstanden ist. Wovon ich nach wie vor überzeugt bin. Letztendlich ist das Geld die stärkste Stimme des Konsumenten.

Doch als Journalist ist es etwas anders. Man hat die Aufgabe zu berichten, sich mit den Themen auseinanderzusetzen und am besten aus der Praxis zu erzählen. Und das kann ich nicht, wenn ich Origin, Steam, Battle.net und wie sie auch heißen mögen, nur aus der Ferne hinterfrage. Es kam auch ein Vorschlag von einem Leser, wonach ich "als Vorbild" agieren und Rezensionen zu Spielen mit Online-Zwang künftig ablehnen sollte. Bestimmt wäre das ein deutliches Statement. Doch damit würde ich mir ebenso Scheuklappen aufsetzen und die Inhalte, die eigentlich an erster Stelle kommen sollten, ausblenden.

Neue Zeiten, neue Maßnahmen

Ich versuche daher in Zukunft einen anderen Weg zu gehen. Dazu gehört, dass ich Spiele mit essentiellen Online-Komponenten (und ich gehe davon aus, dass dies in wenigen Jahren die Mehrheit sein wird) nicht vor dem Marktstart testen werde. "SimCity" und "Diablo 3" haben gezeigt, dass es neue Testkriterien braucht und Vorab-Rezensionen mit Vorsicht zu genießen sind. Ich halte ehrlich gesagt auch nichts von flexiblen Rezensionssystemen, bei denen Medien zuerst strahlende Tests herausbringen und damit die Nachfrage und die Vorbestellungen ankurbeln, um danach aufgrund vorhersehbarer Probleme abzuwerten. Aber es ist definitiv eine Herausforderung für Journalisten und die neuen Zeiten erfordern eben auch neue Maßnahmen von unserer Seite. Es ist ein Lernprozess.

The PC must go on

Dass der GameStandard den PC als Spielplattform allgemein stärker thematisieren möchte, haben Sie vielleicht anhand der neuen Serie "Gears for Games" bemerkt. Vielen Dank nachträglich für die vielen Zusprüche für den ersten Teil des Hardware-Guides. Das Team von Overclockers.at hat sich mächtig ins Zeug gelegt und wir haben noch bis zur Veröffentlichung am vergangenen Sonntag um 15:00 Uhr am Layout und den einzelnen Punkten gefeilt. Die Kooperation liegt uns als Hardware-Aficionados sehr am Herzen, weshalb wir uns im Vorfeld viele Gedanken zur Zusammenarbeit gemacht haben. Am 1.Oktober bin ich das erste Mal an Chef-Overclocker Matthias Zronek herangetreten. Gut Ding braucht Weile :)

StandardCraft

Zum Abschluss noch eine freudige Mitteilung aus der Community: User Forenknecht hat den ersten derStandard.at-Community-Server gestartet. "StandardCraft" ist den Gründern zufolge "eine Gemeinschaft an erwachsenen, ambitionierten Spielern, die sich hier im Forum kennengelernt haben". Danke dafür!

Das bringt mich zu meiner Abschlussfrage: Welche Hardware nutzt Ihr Spiele-PC? (Zsolt Wilhlem, derStandard.at, 16.3.2013)

(Dieses kleine Viralvideo ist entstanden, weil es witzige Zufälle gibt und wir bei derStandard.at auch unseren Spaß haben. Meinen Test zu "SimCity" lesen Sie am Sonntag.)

Die Top 5 der Woche

  1. Gamer hackt "Donkey Kong" für seine Tochter
  2. Der richtige Spiele-PC zu jedem Preis
  3. "Ingress": Google eröffnet neue Spielwelten
  4. Modder beweist: "SimCity" offline und grenzenlos spielbar
  5. "SimCity"-Entwickler widerspricht EA: Online-Zwang nicht notwendig fürs Spiel

Über den Blog

Der GameStandard-Blog erscheint jeden Samstag. Redakteur Zsolt Wilhelm gibt darin seine persönliche Meinung zu Spielethemen wieder und blickt hinter die Kulissen des GameStandards. Auf Ihre Meinung ist er ebenso gespannt.

  • Nichts fährt einen Computer schöner hoch, als der Druck auf einen kalten Aluminiumschalter. (Klicken zum Vergrößern)
    foto: zsolt wilhelm

    Nichts fährt einen Computer schöner hoch, als der Druck auf einen kalten Aluminiumschalter. (Klicken zum Vergrößern)

  • Zsolts PC (Klicken zum Vergrößern)
Mainboard: Asus P8Z77-V LX2, ATX
Prozessor: Intel Core i7 - 3770, 3,40GHz (boxed Kühler, langweilig)
Arbeitsspeicher: Corsair Vengeance 8 GB DDR3 RAM, 1600 MHz, CL9
Grafikkarte: Sapphire Radeon HD 7850, 2048 MB
Systemspeicher: Samsung 840 Series 250 GB SSD
    foto: zsolt wilhelm

    Zsolts PC (Klicken zum Vergrößern)

    Mainboard: Asus P8Z77-V LX2, ATX

    Prozessor: Intel Core i7 - 3770, 3,40GHz (boxed Kühler, langweilig)

    Arbeitsspeicher: Corsair Vengeance 8 GB DDR3 RAM, 1600 MHz, CL9

    Grafikkarte: Sapphire Radeon HD 7850, 2048 MB

    Systemspeicher: Samsung 840 Series 250 GB SSD

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