Louvre muss Beutekunst zurückgeben: Frankreich will Suche antreiben

15. März 2013, 11:52
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Eine von der französischen Regierung geplante Task-Force soll die Rückgabe von Raubkunst beschleunigen

Paris - Auch wenn Frankreichs Museen jetzt sieben Werke an zwei jüdische Familien zurückgeben sollen, will die Regierung die Suche nach Raubkunst beschleunigen. Eine Task-Force soll eingerichtet werden und der Provenienzforschung neue Impulse geben. "Diese Arbeit muss aus symbolischen Gründen und im Dienste der Erinnerung und der Geschichte vollendet werden", erklärte die Senatorin Corinne Bouchoux. Die Grüne-Politikern, Initiatorin des Task-Force-Projekts und Beutekunst-Expertin berichtet von 163 Werken, bei denen die Einrichtung einer solchen Arbeitsgruppe schnell zu einem Ergebnis führen würde.

Bei den sieben Werken, die demnächst zurückgegeben werden sollen, handelt es sich laut einem Artikel in "Le Monde" um Arbeiten von Alessandro Longhi, Sebastiano Ricci, Gaspare Diziani, Francesco Salvador Fontebasso, Gaetano Gandolfi, François-Charles Palko und Pieter Jansz van Asch. Vier stammen aus dem Louvre, die drei anderen aus den Museen in Tours, Saint-Etienne und Agen. Sechs der Bilder stammten ursprünglich aus der Sammlung des Wiener Textilindustriellen Richard Neumann, das siebente gehörte dem von den Nationalsozialisten deportierten Prager Bankier Josef Wiener. Die Provenienzforschung der Werke hat Jahre gedauert, ebenso die Entscheidung der Rückerstattung. Auch die Festlegung auf einen Termin für die feierliche Übergabe kann noch dauern. Ein Datum ist laut Pressestelle noch nicht bekannt.

100.000 Kulturgüter wieder zurückgegeben

Staatspräsident Jacques Chirac war das erste französische Staatsoberhaupt, das im Jahr 1995 die Teilnahme Frankreichs bei den Judendeportationen offiziell anerkannt hat. Unter seiner Regierung wurde zwei Jahre später auch die Forschungs-Kommission "Matteoli" eingesetzt, weil Frankreich Mitte der Neunzigerjahre wegen seiner schleppenden Recherche und Erschließung von NS-Raubgut in Kritik geraten war. Die Kommission untersuchte, unter welchen Bedingungen die im Besitz französischer Juden befindlichen Güter beschlagnahmt oder durch Betrug und Gewalt entzogen worden waren.

Laut Abschlussbericht aus dem Jahr 2000 wurden von 100.000 nach Deutschland gebrachten Kulturgütern nach Kriegsende 60.000 wieder an Frankreich zurückgegeben, bis 1949 fanden 45.000 ihre rechtmäßigen Besitzer wieder. 13.000 wurden Anfang der Fünfzigerjahre verkauft und die 2.000 wertvollsten als "Musees Nationaux Recuperation" ("MNR") dem Staat zur Aufbewahrung übergeben - mit dem Auftrag verbunden, ihre rechtmäßigen Besitzer zu ermitteln. Zahlreiche der von den damals während der NS-Zeit durch die Nationalsozialisten geraubten Werke waren für das geplante Hitler-Museum in Linz bestimmt oder für die Sammlung des Reichsmarschalls Hermann Göring. Nicht alle waren NS-Raubgut im engeren Sinn. Oft mussten die Verfolgten aus Not heraus ihre Werke auch verkaufen.

Zwischen 1951 und heute sollen nur 79 Kunstwerke mit dem Sigle "MNR" an ihre legitimen Eigentümer zurückgegeben worden sein. Das sind nicht einmal vier Prozent. "Erst wenn wir alle Werke zurückgegeben haben, werden wir dieses Kapitel abschließen können", erklärte die Senatorin. (APA, 15.3.2013)

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