Spaniens Pferde gehen vor die Hunde

15. März 2013, 13:30
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Die Krise trifft die Statussymbole Andalusiens. Viele Züchter sind pleite, Schlachthöfe zahlen einen Spottpreis, Tiere verenden qualvoll

Das Wachstum in Spanien kam im Jahr 2008, speziell durch den Einbruch am Bausektor und einer explodierenden Arbeitslosigkeit, zu einem abrupten Stillstand. Für die Boomjahre davor galt, wer reich ist, leistet sich ein großes Haus, ein fettes Auto und – als Statussymbol – ein Pferd.

Doch nun rutscht das Euro-Krisenland immer tiefer in die Rezession. Wie das nationale Statistik-Institut INE kürzlich mitteilte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorquartal um 0,8 Prozent – der mit Abstand stärkste Rückgang der spanischen Wirtschaftsleistung seit Beginn der Rezession Mitte 2011.

Auch die wertvollen Pferde, die Pura Raza Española (P.R.E ) werden von der Krise nicht verschont. 2007 wurde die Aufsicht über die spanische Pferdezucht privatisiert. In der Folge schnellte die Anzahl der Einträge kurzfristig hoch und sackte in der Krise um circa 60 Prozent ab. Das verwundert kaum. Denn lag der Wert eines reinrassigen Hengstes vor der Krise bei bis zu 18.000 Euro, werden heute mitunter nur noch 1.000 Euro gezahlt. Neben der Krise sehen sich spanische Viehhalter wegen niedriger Erzeugerpreise und gleichzeitig steigender Rohstoffkosten in ihrer Existenz immer mehr bedroht. Viele Züchter können sich die 350 bis 400 Euro monatlich für Stall, Tierarzt und Futter nicht mehr leisten.

Besonders betroffen ist die für ihre Pferdezucht bekannte Region Andalusien im Süden des Landes. Der Weg führt dort immer häufiger zum Schlachthof. Rund 150 Euro bekommt der Züchter für ein Tier, vorausgesetzt es ist gechipt und zum Verzehr freigegeben. Die Krise zwingt viele zu diesem Weg, wie die Zahlen eindrucksvoll beweisen. 2008 wurden etwa 8.000 Pferde geschlachtet, 2009 waren es bereits 30.000, im vergangenen Jahr 80.000. Pferdefleisch wird in Spanien kaum konsumiert und so sind 90 Prozent für den Export bestimmt. Absatzländer sind hauptsächlich Frankreich und Italien.

Viele Bauern allerdings überlassen die Pferde ihrem Schicksal und wildern sie einfach aus. Die Regierung in Madrid spricht von zehntausenden registrierten Fällen. Oftmals angebunden und verwundet, verenden die Tiere qualvoll. Anderen werden die Köpfe abgetrennt, um den Züchter nicht mehr ausfindig zu machen. Die wenigen, ehrenamtlich geführten und auf Spenden angewiesenen Tierheime der Region sind überfüllt. Die Besitzer, die aufgrund des Chips des Tieres ausfindig gemacht werden können, gehen in vielen Fällen straffrei aus: Oft können sie das Bußgeld nicht zahlen, weil sie schlicht pleite sind. (ch, derStandard.at, 15.3.2013)

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    Tausende Pferde in Spanien gehen qualvoll zugrunde.

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