Immer mehr Studienanfänger haben keine klassische Matura

15. März 2013, 10:27
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Anteil der Anfänger mit nicht-traditioneller oder sonstiger Zugangsberechtigung von 2000 bis 2011 auf 10 Prozent verdoppelt

Wien - Immer mehr österreichische Studienanfänger verfügen über keine Matura. Der Anteil an Österreichern, die mit einer "nicht-traditionellen" (Studienberechtigungsprüfung, Berufsreifeprüfung, Externistenmatura) bzw. "sonstigen" Hochschulberechtigung (ausländische oder überhaupt keine Reifeprüfung etc.) an Unis, Fachhochschulen (FH) oder Pädagogische Hochschulen (PH) kommen, hat sich laut Studierendensozialerhebung 2011 des Instituts für Höhere Studien (IHS) im vergangenen Jahrzehnt auf zehn Prozent verdoppelt.

Nichtsdestotrotz ist die Matura noch immer der klassische Weg zum Studium: Insgesamt hatten 2010/11 laut Hochschulstatistik fast 50 Prozent der inländischen Studienanfänger eine AHS- und 40 Prozent eine Matura einer Berufsbildenden Höheren Schule (BHS) vorzuweisen. Sechs Prozent hatten einen "nicht-traditionellen" und fünf einen "sonstigen" Hochschulzugang.

Berufsreifeprüfung

Die Art der Berechtigung ist ein wesentlicher Faktor dafür, welche Hochschulform besucht wird: Die Mehrheit der Studienanfänger mit Berufsreifeprüfung zieht es an Unis (48 Prozent), gefolgt von den FH (38 Prozent) und den PH (14 Prozent). Diese Gruppe hat sich zwischen der Einführung der Berufsreifeprüfung 2000/01 und 2011/12 auf knapp 900 Personen fast verdreifacht.

Externistenmatura

Auch das Gros der Studienanfänger mit Externistenmatura (76 Prozent) geht an die wissenschaftlichen Unis, zwölf Prozent an die FH, elf an die PH und ein Prozent an die Kunstunis. Diese Gruppe ist zwischen 2000/01 und 2011/12 ebenfalls gewachsen, von 180 auf zuletzt 280 Personen. Einen deutlichen Rückgang gibt es indes bei jenen, die eine Studienberechtigungsprüfung wählen (von 139 auf 53 im Vergleichszeitraum). Diese Gruppe zieht es vor allem an die FH (49 Prozent), gefolgt von den PH (31 Prozent), nur 20 Prozent beginnen ein Uni-Studium.

Nach Hochschultypen sind Studienanfänger mit "nicht-traditioneller" Hochschulberechtigung am stärksten an den FH und PH vertreten (je neun Prozent), an den Unis stellen sie fünf und an den Kunstunis zwei Prozent der Studienanfänger.

"Sonstige" Hochschulberechtigung

Studienanfänger mit "sonstiger" Hochschulberechtigung (ohne Reifeprüfung, Reifeprüfung im Ausland, Hochschulreife gemäß Kooperationsverträgen, unbekannte Schulform, sonstige Ausbildung) sind hauptsächlich (49 Prozent) an Unis zu finden, 32 Prozent gehen an die FH, 16 an eine PH und vier Prozent an die Kunstunis. Nach Hochschultypen ist diese Gruppe - 2011/12 waren es immerhin fast 1.000 Personen, davon über 400 Österreicher mit ausländischem Maturazeugnis - besonders stark an den Kunstunis vertreten. Sie machen dort 29 Prozent der Studienanfänger aus, was laut IHS-Studie vor allem daran liegt, dass eine Eignungsprüfung absolviert werden muss und ein Studium häufig auch ohne reguläre Studienberechtigung möglich ist. An den FH und PH stellt diese Gruppe je sieben, an den wissenschaftlichen Unis sogar nur vier Prozent.

Geringere Erfolgschancen

Die Gruppe der Studienanfänger mit "nicht-traditioneller" oder "sonstiger" Hochschulzugangsberechtigung weist allerdings eine geringere Wahrscheinlichkeit auf, ihr Studium erfolgreich abzuschließen, wie eine Auswertung für die Diplomstudienanfänger an wissenschaftlichen Unis für das Wintersemester 2003/04 zeigt: Während unter HAK-Maturanten fast die Hälfte und unter AHS-Maturanten ebenfalls noch rund 45 Prozent nach 16 Semestern ein Studium abgeschlossen haben, sind es bei Studenten mit Berufsreifeprüfung nur 37 Prozent, bei jenen mit Externistenmatura 30 Prozent und bei Studenten mit Studienberechtigungsprüfung 29 Prozent. (APA, 15.3.2013)

  • Immer mehr Studierende besuchten externe Matura-Schulen.
    foto: standard/hendrich

    Immer mehr Studierende besuchten externe Matura-Schulen.

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