Aus für Google Reader: Proteststurm und Rätseln um Gründe

15. März 2013, 10:12
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Kapitulation vor sozialen Netzen, Push für Google+ oder Leistungsschutzrecht?

Googles Ankündigung den RSS-Dienst Google Reader einzustellen hat zu einer Welle der Empörung geführt. Der 2005 gestartete Dienst soll am 1. Juli eingestellt werden. Nicht nur User beklagen die Entscheidung. Auch für einige Web-Entwickler gleicht die Ankündigung einer Hiobsbotschaft, nutzen sie den Google Reader doch für eigene Services.

Petition

Auf Change.org wurde eine Petition gestartet, die Google dazu bewegen soll, die Entscheidung zu überdenken. Bis Freitagvormittag hat die Initiative bereits über 90.000 UnterstützerInnen gefunden. Aus dem Kommentar dazu gehen Befürchtungen hervor, dass Google auch andere Dienste wie Gmail oder Google+ einstellen könnte. Auf Twitter folgten zahlreiche Tweets zu Alternativen und möglichen Hintergründen.

Push für Google+

Google begründet die Entscheidung damit, dass die Zahl der Nutzer absteigend sei und das Unternehmen seine Ressourcen in weniger Produkte investieren wolle. Doch Beobachter glauben, dass mehr dahinter steckt. So wird davon ausgegangen, dass das Unternehmen mit dem Schritt Google+ pushen will. Über das Netzwerk können Nutzer etwa über Communities Themen abonnieren, die sie interessieren. Die Sueddeutsche kommentiert die Maßnahme schließlich als "Kapitulation für den sozialen Netzen".  Bei Buzzfeed merkt man jedoch an, dass noch immer deutlich mehr Traffic über Google Reader als über Google+ komme.

Leistungsschutzrecht

Jörg Rensmann, CEO von infoMantis, einem Unternehmen das Corporate-RSS-Strategien umsetzt, glaubt an einen weiteren Grund. "Zumindest auf Deutschland bezogen fällt die Entscheidung mit dem vom Bundestag verabschiedeten Gesetz zum Leistungsschutzrecht zusammen. Dieses Gesetz wirft für die Anbieter von Feedreadern echte Probleme auf, weil sie aufgrund der mangelnden Kennzeichnung lizenzpflichtige Inhalte nicht unterscheiden können", sagt er in einem E-Mail-Statement.

Digg will Lücke füllen

Sollte sich Google nicht von den zahlreichen Nutzer-Rückmeldungen beeindrucken lassen, wollen andere Dienste in die Bresche springen. So hat Digg in einem Blog-Eintrag angekündigt, eine eigene Version des Google Readers entwickeln zu wollen. Digg will die besten Features des Readers identifizieren und nachbauen und ihn gleichzeitig fit für das "Internet von 2013" zu machen. Das inkludiere auch Integration in soziale Netzwerke. Pläne dafür habe das Unternehmen schon länger gehabt, nun wolle man diese beschleunigen.

Alternativen

Aber auch aktuell gibt es zahlreiche Alternativen, auf die Nutzer zurückgreifen können. Diese umfassen Desktop-Clients, Browser-basierte Dienste und mobile Apps. Der WebStandard gibt hier einen Überblick über die besten Alternativen zum Google Reader. (Birgit Riegler, derStandard.at, 15.3.2013)

  • Googles Entscheidung, den Google Reader einzustellen, hat viele Nutzer getroffen.
    foto: epa

    Googles Entscheidung, den Google Reader einzustellen, hat viele Nutzer getroffen.

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