Fremdartiges Leben tief unter dem Meeresboden

14. März 2013, 21:07
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Forscher entdecken in 3,5 Millionen Jahre altem Gestein in der Ozeankruste Organismen, die Wasserstoff als Energiequelle nutzen

Bremen/Wien - Die Hoffnung auf Leben im Wostoksee, der unter rund vier Kilometer dickem Eis in der Antarktis liegt, hat sich fürs Erste zerschlagen: Die gefundenen Bakterien entpuppten sich als Schmutz, gestanden die beteiligten russischen Forscher ein. Doch nun wurde erstmals Leben an einem Ort gefunden, wo möglicherweise noch unwirtlichere Bedingungen herrschen: In einer 3,5 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht hunderte Meter unter dem Meeresboden. Das berichten Forscher um Mark Lever von der Universität Aarhus in der heutigen Ausgabe des Fachblatts "Science". Die Ozeankruste bedeckt etwa 60 Prozent der Erdoberfläche; nach dem aktuellen Fund kann sie wohl als das größte Ökosystem der Erde gelten.

Die dänischen Wissenschafter bohrten 2004 vor der Westküste Nordamerikas durch die Sedimentschicht am Meeresboden - und in die Ozeankruste hinein. Dort entnahmen sie Proben des Basaltgesteins, das sie zunächst nach bestimmten genetischen Elementen untersuchten, die für spezielle Bakterien charakteristisch sind. Auf diese Weise fanden sie Hinweise auf die Existenz von sulfatreduzierenden und methanbildenden Bakterien.

Wasserstoff als Energiequelle

Anschließend konnten sie Stoffwechselprodukte der Bakterien im Basaltgestein nachweisen. Schließlich kultivierten sie die Bakterien im Labor und stellten fest, dass sich nach einigen Jahren geringe Mengen Methan in der Kultur gebildet hatten. Dieses Ergebnis belegte, dass die Bakterien aktiv sind. Als Energiequelle nutzen die Bakterien offenbar Wasserstoff.

"Die Ozeankruste ist vom Meerwasser durchflossen", erläutert Forscher Kai-Uwe Hinrichs, der an der Studie beteiligt war. "Dieses Gesteinswasser reagiert vermutlich mit eisenhaltigen Mineralen, wie zum Beispiel Olivin, wobei Wasserstoff frei wird." Die Mikroorganismen nutzten den Wasserstoff anschließend, um Kohlendioxid in organische Stoffwechselprodukte und Biomasse umzuwandeln.

"Das Leben in der Ozeankruste wird aus Energiequellen gespeist, die vollkommen anders sind als die, die das Leben in den Schlammschichten auf dem Meeresboden speisen", sagt Lever. Es sei entsprechend möglich und denkbar "dass Leben, das auf Chemosynthese beruht, auch auf anderen Planeten gefunden wird". (tasch, dpa, red/DER STANDARD, 15.03.2013)

  • Bei der Analyse der Gesteinsbrocken aus der Tiefe des Meeresbodens gingen die Forscher sehr sorgsam vor: Um die Proben nicht mit fremden Bakterien zu kontaminieren, wurden sie zunächst an der Außenseite sterilisiert, ehe man ihnen mit Hammer und Meißel zu Leibe rückte.
    foto: jesper rais, au communication

    Bei der Analyse der Gesteinsbrocken aus der Tiefe des Meeresbodens gingen die Forscher sehr sorgsam vor: Um die Proben nicht mit fremden Bakterien zu kontaminieren, wurden sie zunächst an der Außenseite sterilisiert, ehe man ihnen mit Hammer und Meißel zu Leibe rückte.

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