Top-Manager-Gagen: Einstellungssache

Kommentar14. März 2013, 18:47
36 Postings

Unverschämt hohe Gagen wird es nur dann nicht mehr geben, wenn sich die Einstellung der Großaktionäre ändert

Den üblichen Populismusvorwurf kann man der SPÖ auch dieses Mal nicht ganz ersparen. Stünde nicht in einem halben Jahr die Nationalratswahl an, käme wohl keine plötzliche Eile bei der Regelung von Managergehältern auf. Schließlich hat die EU-Kommission ohnehin bis Jahresende Reformvorschläge angekündigt.

Legitim ist der Vorstoß aber natürlich trotzdem: Mehr Transparenz bei Topgagen und Bonisystemen ist dringend notwendig. Es ist in der Tat absolut unverständlich, dass die Aktionäre, also die Eigentümer, nicht über die Verträge der Manager entscheiden können. Auch ein Malussystem in Ergänzung zu einem Bonussystem hat etwas für sich. In einer leistungsorientierten Gesellschaft, von der Manager gerne sprechen, sollte ein niedrigeres Gehalt im Fall eines schlechten Jahresergebnisses kein Tabu sein.

Die Erwartungshaltung bei all diesen Ideen sollte aber nicht zu hoch sein. Die größten Aktionäre stellen schon jetzt Aufsichtsratsmitglieder. Sie hätten also jederzeit Einfluss auf die Verträge nehmen können. Unverschämt hohe Gagen wird es nur dann nicht mehr geben, wenn sich die Einstellung der Großaktionäre ändert. Wenn sie hinterfragen, ob ein Vorstand das 50- oder 100-Fache eines normalen Mitarbeiters wert ist. Wenn sie hinterfragen, ob ein Manager wirklich sofort ins Ausland abwandert, wenn er keinen Bonus bekommt. Mit Hausverstand ließe sich mindestens genauso viel erreichen wie mit neuen Gesetzen. (Günther Oswald, DER STANDNARD, 15.3.2013)

Share if you care.