Ökonom: "Rabatte regen Verschwendung an"

14. März 2013, 18:11
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Den Verbrauchern fehle Wissen und Zeit, um die Unternehmenskniffe zu durchschauen

Wien - Der Verbraucher werde überfordert. Mit Informationen und Werbung überflutet - hinter die Marketinginstrumente der Unternehmen zu blicken lerne er aber nicht. So fasst Karl Kollmann, WU-Professor für Konsumökonomie und Vorsitzender des österreichischen Verbraucherrats, die aktuelle Problematik zusammen. Die Basis dafür werde in den Schulen nicht gelegt. Die Folge: Mit Aktionen wie "1+1 gratis" würden Verbraucher dazu verleitet, mehr zu kaufen, als sie eigentlich brauchen. Nur, weil etwas billiger erscheint. "Das regt zur Verschwendung an", sagt Kollann zum STANDARD. Mittlerweile würden in der EU im Schnitt 25 Prozent der Lebensmittel wieder weggeschmissen.

Angebote zu vergleichen und zu erkennen, dass es bei Aktionen nicht um Wohltaten der Unternehmen geht, scheitere auch an der wenigen Zeit, die vielen für die Erledigung ihrer Besorgungen bleibe. Ziel der Verbraucherbildung muss laut Kollmann sein, zu erreichen, dass Menschen " sich unaufgeregt mit ihrer Konsumwirklichkeit auseinandersetzen".

Schindluder mit Mieten

Diesem Ziel will man auch mit dem heutigen Weltverbrauchertag (Details finden Sie hier) näherkommen, den es seit 1983 gibt. An diesem Tag bietet der Verein für Konsumenteninformation (VKI) kostenlose Beratung an. Unfaire Mietverträge oder Betriebskostenabrechnungen sind laut Arbeiterkammer jene Gebiete, mit denen Konsumenten am meisten kämpfen. Das Konsumentenschutzgesetz sei in Österreich "passabel", sagt Josef Kubitschek, Geschäftsführer des VKI für den Bereich Recht und Beratung. Lücken gebe es dennoch - etwa beim gesamten Block der Finanzberatung. Hier hätten die Fälle der Vergangenheit den Handlungsbedarf offengelegt. Eine genaue Regelung gebe es ob ausstehender Gerichtsurteile noch nicht.

Lernfähig ist der Verbraucher laut Kubitschek allemal, denn auf Aussendungen wie "Sie haben gewonnen" reagiere heute kaum noch jemand. Anders ist das bei sogenannten Heizdeckenfahrten, "wo durch den Druck des Verkäufers Personen immer wieder beinahe dazu genötigt werden, Dinge zu kaufen". Ziel muss es laut Kubitschek sein, "dass bei solchen Aktionen die Warnsignale angehen".

Gegen betrügerische Vermarktungspraktiken kämpft auch die EU. 2005 wurde eine Richtlinie erlassen, um gegen unlautere Geschäftspraktiken vorzugehen. Diese soll nun geschärft werden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 15.3.2013)

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