Der kleine Franzose als Universalheiliger

Kopf des Tages14. März 2013, 18:35
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Mit seiner "Theorie des Bettelns" sorgte Franz von Assisi für einen gesellschaftlichen Umbruch

Als Francesco noch Giovanni hieß, war ihm so gut wie gar nichts heilig. 1182 als Sohn einer begüterten Kaufmannsfamilie im mittelitalienischen Assisi geboren, führte Giovanni Battista Bordardone in jungen Jahren ein durchaus ausschweifendes Leben, in dem irdische Vergnügungen aller Art ihren Platz hatten.

Der Sinneswandel folgte dann im Alter von 25 Jahren: Durch Kriegsgefangenschaft und Krankheit geläutert, fand der "kleine Franzose" , wie man ihn wegen seiner aus Frankreich stammenden Mutter auch nannte, sein Glück in der Enthaltsamkeit und Armut.

Beseelt von der Mission, die Welt und ihre Bewohner - Menschen, Tiere und Pflanzen - zu ergründen, lebte der Namensgeber des neuen Papstes fortan in Demut vor der Schönheit der Erde. 1209 gründete er den "Orden der Minderen Brüder" (Franziskaner), dessen Regeln 1223 durch Papst Honorius III. bestätigt wurden. Aus dem Franziskanerorden entstanden auch die Minoriten und die Kapuziner.

Durch sein Naheverhältnis zur Natur wurde "fratello poverello" - der " arme kleine Bruder" - zum Patron der Tiere. Seine Botschaft war ebenso eindeutig wie - in Zeiten, als Tierhetzen zur Belustigung des Volkes noch gang und gäbe waren - revolutionär: "Ein jedes Lebewesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz."

"Theorie des Bettelns"

Für einen gesellschaftlichen Umbruch sorgte Franz von Assisi vor allem aber auch mit seiner "Theorie des Bettelns". Festgehalten wird darin, dass es eigentlich nicht um das Betteln, sondern um Gerechtigkeit gehe "Almosen ist Erbe und Recht, das den Armen zusteht." Wohlhabende sind damit verpflichtet, ihren Überfluss mit Notleidenden zu teilen - franziskanischer Geist als Protest und Modell gegen die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft.

Am 3. Oktober 1226 verstarb der Bettelmönch nach langem Leiden in seiner Heimatstadt. Bereits zwei Jahre später folgte die Heiligsprechung. Im November 1979 wurde er durch Papst Johannes Paul II. zum "himmlischen Patron des Natur- und Umweltschutzes" erklärt. Heute gilt Franz von Assisi nicht nur als Patron der Armen, sondern auch der Strafgefangenen, der Umweltschützer, der Sozialarbeiter, Blinden und Gelähmten. Verehrt wird er auch in anderen Religionen wie etwa im Hinduismus.

Aus heutiger Sicht durchaus pikant: Franz von Assisi war zeitlebens Laie, erhielt aber vom Papst die Erlaubnis zur Laienpredigt. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 15.3.2013)

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