Zettelverteiler Feibra soll in Wien Briefe zustellen

14. März 2013, 17:50
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Es scheint, die Post züchtet sich ihre Konkurrenz selbst. Zores mit politischen Vorgaben gibt es indes bei der Ungarn-Tochter

Wien - Um die spärlich vorhandene Konkurrenz draußen zu halten, zieht die Post alle Register. Die jüngste Geschäftsidee: Ihr Billigableger mit dem orangen Logo, Feibra, soll nicht nur Werbeprospekte verteilen, sondern auch adressierte Briefe zustellen.

Dienste für Großkunden

Der Vorteil: Die mit freien Dienstnehmern operierende Feibra ist deutlich billiger als die gelben, meist pragmatisierten Bediensteten der Post AG. Die orange Konkurrenz bringt aber auch Gefahr: Bewährt sich der Pilot mit Feibra in Wien, würden weitere Postler, derer es zu viele gibt (und die im Bundesdienst kaum unterzubringen sind), überflüssig.

Bei der Post sieht man das nicht als Kannibalisierung. Erstens biete Feibra nur neue Dienste für Großkunden, und zweitens bleibe das Geschäft bei Feibra im eigenen Haus, anstatt zu Konkurrenten abzuwandern. Der Unterschied liegt in der Servicegeschwindigkeit: Feibra-Briefe sollten es nicht eilig haben, sie können bis zu fünf Tage unterwegs sein. Der teurere Business-Brief der gelben Post hingegen darf maximal drei Tage brauchen. Privatkunden seien gar nicht betroffen, ihre Briefe müssen laut Gesetz einen Tag nach Abgabe zugestellt werden.

Superwahljahr gut für Post

Ob sich mit dem neuen Dienst der Schwund im Briefsegment auffangen lässt, bleibt abzuwarten. Er machte 2012 immerhin 3,6 Prozent der Sendungen aus, der Umsatz betrug 1,5 Mrd. Euro, während der Konzernumsatz um 1,9 Prozent gestiegen ist (exklusive Benelux-Markt, aus dem die Post ausgestiegen ist).

Merken wird man von einem Rückgang zumindest 2013 nichts, denn: "Das Superwahljahr ist gut für die Post", sagte Post-Chef Georg Pölzl bei Vorlage der Bilanzzahlen. Wettmachen kann der rasch wachsende Paketsektor die Briefschrumpfung nicht, dazu sei das Paket mit 200 Mio. Euro Umsatz schlicht zu klein. Daher gehen Kostendisziplin und Automatisierung weiter.

Unberechenbare Politik

Weniger super sieht es in Ungarn aus. Wiewohl ein Zwergerl unter den ausländischen Post-Ablegern, macht Feibra Ungarn Verluste im "einstelligen Millionenbereich". Besserung ist nicht in Sicht, denn die Regierung in Budapest macht nicht nur Banken das Leben schwer, sie erteilt Post-Konzessionen nur mit Auflagen. So muss etwa ein Teil der Mitarbeiter angestellt werden. "Das ist absurd. Wir tragen sicher kein Geld mehr nach Ungarn", stellte Pölzl klar, der Investitionen ausschließt. Zusperren will er noch nicht, man prüfe alle Optionen. Die Post, die mit 709 Mio. Euro (41,7 Prozent) Eigenkapital und 23 Mio. Euro Verbindlichkeiten einem Sparverein gleicht, erhöht die Dividende von 1, 70 auf 1,80 Cent. (ung, DER STANDARD, 15.3.2013)

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    "Das Superwahljahr ist gut für die Post", sagte Post-Chef Georg Pölzl bei Vorlage der Bilanzzahlen.

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